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Agora Toolbox für die Stromnetze

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Agora Energiewende | Toolbox für die Stromnetze - Für die künftige Integration von Erneuerbaren Energien →→Marktbezogene Maßnahmen: Hierzu gehören zum Beispiel der Einsatz von Regelenergie, vertraglich vereinbarte abschaltbare und zuschaltbare Lasten sowie das Management von Engpässen. 68 Der Redispatch gehört zu den marktbezogenen Maßnahmen, die – fußend auf § 13 (1) EnWG – dazu eingesetzt werden können, einen regionalen Netzengpass zu beseitigen (im Gegensatz zum Einsatz von Regelenergie, die dem Ausgleich der Systembilanz dient). Dazu greift der Übertragungsnetzbetreiber vereinfacht gesagt auf „Kraftwerkspärchen“ auf den unterschiedlichen Seiten des Engpasses zu: Während das eine Kraftwerk jenseits des Engpasses seine Leistung reduziert, erhöht das Kraftwerk auf der anderen Seite des Netzengpasses seine Leistung. Die Systembilanz bleibt dabei unverändert – es ist lediglich die örtliche Verteilung der eingespeisten Erzeugungsleistung, die sich durch die Eingriffe des Übertragungsnetzbetreibers ändert. Des Weiteren wird Redispatch auch zur Blindleistungskompensation aus Kraftwerken für die Spannungshaltung eingesetzt. Erzeugungsanlagen, die über eine Nennleistung ab zehn Megawatt verfügen, sind verpflichtet, auf Anforderung des Übertragungsnetzbetreibers am Redispatch teilzunehmen. Das heißt, sie müssen ihre Wirk- oder Blindleistungseinspeisung auf Anforderung des Übertragungsnetzbetreibers entsprechend anpassen. 69 Hierfür enthalten sie eine angemessene Vergütung. Während im Jahr 2015 ein Redispatch- Volumen von 15.436 Gigawattstunden zu verzeichnen war, betrugen die Redispatch-Maßnahmen 2016 11.475 Gigawattstunden. 70 →→Einsatz von zusätzlichen Reservekraftwerken: Hierunter fällt die Aktivierung der Netzreserve und der Kapazitätsreserve. 71 →→Anpassungsmaßnahmen 72 : Wenn die zuvor beschriebenen Maßnahmen zur Beseitigung des Risikos oder der Störung im Systembetrieb nicht greifen, stehen den Übertragungsnetzbetreibern weitere Mittel zur Verfügung. Hierunter fallen Anpassungen der Stromeinspeisungen, Stromtransite und Stromabnahmen in ihrer Regelzone. Soweit möglich sollen hierbei betroffene Verteilnetzbetreiber und Stromhändler vorab informiert werden. →→Einspeisemanagement: Unter Anpassungsmaßnahmen fällt auch das Einspeisemanagement (EinsMan), das heißt, die Reduktion beziehungsweise Abregelung von Erneuerbare-Energien- Strom und von Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen. 73 Da grundsätzlich der Einspeisevorrang von EE- und KWK-Anlagen gilt, stellt das Ergreifen von EinsMan-Maßnahmen sozusagen eine Ultima Ratio dar, wenn die anderen Maßnahmen erschöpft sind. EE-Anlagen und KWK-Anlagen ab einer Leistung von 100 Kilowatt müssen mit einer technischen Einrichtung ausgestattet sein, sodass der Netzbetreiber die Einspeiseleistung bei Netzüberlastung jederzeit ferngesteuert reduzieren und die Ist-Einspeisung abrufen kann. 74 Im Allgemeinen ist es der Anschlussnetzbetreiber – also in der Regel der Verteilnetzbetreiber –, der über den Zugriff auf die Anlagen verfügt. Es kann dennoch eine Abregelung über EinsMan auf Anordnung des Übertragungsnetzbetreibers geschehen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn horizontale Netzengpässe in höheren Spannungsebenen im Übertragungsnetz auftreten und alle anderen Maßnahmen bereits ausgeschöpft sind. Im Gegensatz zu den anderen Anpassungsmaßnahmen (siehe oben) ist EinsMan entschädigungspflichtig: Die durch 72 § 13 Abs. 2 EnWG 68 § 13 Abs. 1 Nr. 2 EnWG 69 § 13a EnWG 70 BNetzA (2017b) 71 § 13 Abs. 1 Nr. 3 EnWG 73 § 13 Abs. 2 EnWG i. V. m. § 14 EEG 74 § 9 Abs. 1 EEG. Es gibt gesonderte Regelungen für Betreiber von Solaranlagen mit teils unterschiedlichen Optionen einer fernsteuerbaren Einrichtung oder Begrenzung der maximalen Wirkleistungseinspeisung, je nach installierter Leistung. 28

STUDIE | Toolbox für die Stromnetze - Für die künftige Integration von Erneuerbaren Energien EinsMan-Maßnahmen entgangenen Einnahmen müssen den betroffenen Anlagenbetreibern gemäß Härtefallregelung entschädigt werden. 75 Der Netzbetreiber kann die Kosten hierfür bei der Ermittlung der Netzentgelte in Ansatz bringen. 76 1.6.3. Einordnung von EinsMan und Redispatch Die Kosten für Redispatch, für das Vorhalten und den Einsatz von Reservekraftwerken als auch für die Entschädigungszahlungen für Einspeisemanagement werden über die Netzentgelte an die Stromverbraucher weitergegeben. Daher erregen Berichte über einen Anstieg der Kosten in diesem Segment immer wieder Aufsehen, was sich nicht zuletzt negativ auf die Akzeptanz der Energiewende auswirken kann. Hierbei ist anzumerken, dass die Ursachen für Netzengpässe komplex sind und eine verursachergerechte Kostenallokation zur Finanzierung der Entschädigungszahlungen daher schwer möglich ist. In diesem Kontext sind die fehlende Flexibilität im konventionellen Kraftwerkspark, die bereits erwähnten europäischen Stromtransite und Verzögerungen beim Netzausbau ebenso als Ursachen zu erwähnen. Da die Netzentgelte regional differenziert sind, spielt zudem die geografische Konzentration der Abregelungsmaßnahmen eine große Rolle. So fielen im Jahr 2016 geschätzte Entschädigungsansprüche in der Höhe von 372,7 Millionen Euro für EinsMan (auf Anweisung des Übertragungs- als auch Verteilnetzbetreibers) und 218,8 Millionen Euro geschätzte Kosten für die Ergreifung von Redispatch-Maßnahmen an. 77 72,3 Prozent der EinsMan-Maßnahmen wurden 2016 in Schleswig-Holstein ergriffen, gefolgt von den Bundesländern Brandenburg (9,0 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (8,5 Prozent). 78 Entsprechend ähnlich schlägt sich das auch in der Struktur der Entschädigungszahlungen nieder. Im Jahr 2016 wurden Redispatch-Maßnahmen mit einem Volumen von insgesamt 11.475 Gigawattstunden ergriffen (Redispatch: Drosselung und Erhöhung von Kraftwerken). 79 Dies entsprach einem Rückgang zum Vorjahr, in dem das Redispatch-Volumen 15.436 Gigawattstunden betrug. Allerdings war die Anwendung von Redispatch-Maßnahmen in den Jahren zuvor gestiegen. Beim Einspeisemanagement ließ sich 2016 nach Jahren ebenfalls erstmals wieder eine rückläufige Entwicklung verzeichnen: Im Jahr 2016 wurden 3.743 Gigawattstunden abgeregelt, im Gegensatz zu 4.722 Gigawattstunden im Jahr 2015. In Bezug auf die jährliche Nettostromerzeugung, die sich in Deutschland knapp um die 600 Terawattstunden bewegt, 80 bewegen sich die EinsMan-Mengen unter einem Prozent des erzeugten Nettostroms. Allerdings zeichnet sich trotz der rückläufigen Zahlen im Jahr 2016 eine insgesamt steigende Tendenz ab, wie auch die Zahlen der ersten Monate für 2017 belegen (siehe Kapitel 1.1). 75 § 15 Abs. 1 EEG. Gemäß der Härtefallregelung werden 95 Prozent der entgangenen Einnahmen zuzüglich der zusätzlichen Aufwendungen und abzüglich der ersparten Aufwendungen entschädigt. Wenn mehr als ein Prozent der Einnahmen in einem Jahr betroffen sind, wird zu hundert Prozent entschädigt. 76 § 15 Abs. 2 EEG 77 BNetzA (2017b) 78 BNetzA (2017b) 79 BNetzA (2017b) 80 BNetzA und Bundeskartellamt (2016). So betrug die Netto stromerzeugung im Jahr 2015 594,7 Terawattstunden und 2014 583,6 Terawattstunden. 29

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