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Black Swans (Risiken) in der Energiewende

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Die Energiewende hat eine hohe Bedeutung für eine verlässliche Energieversorgung und eine stabile gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Vor diesem Hintergrund war es das Ziel des Vorhabens, in einer Risikoanalyse Ereignisse zu identifizieren, deren Eintritt zwar unwahrscheinlich ist, die aber im Eintrittsfall die weitere Entwicklung der Energiewende negativ beeinflussen könnten. Ergänzend sollten geeignete politische Reaktions- und Vorsorgemöglichkeiten beschrieben werden. Gutachter waren die Prognos AG, das Energiewirtschaftliche Institut (EWI) und die Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS). Sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Entwicklung der Energiewende gegenüber potenziellen Risiken weitgehend robust ist und unerwartete Störungen in der Regel gut aufgefangen werden könnten. Es wird empfohlen, mögliche Risiken bei der Weiterentwicklung von Strategien und Zielsetzungen mitzudenken. Neue Instrumente zur Risikovorsorge sind nur bedingt notwendig.

Gesellschaft 3.3.3.3

Gesellschaft 3.3.3.3 Betroffene Rahmenbedingungen Die sich rasant entwickelnde Digitalisierung bedarf einer Vielzahl neuer Sensoren, Antennen und Leitungen. Sie führt zu einer extrem kleinschritten Sammlung und Auswertung von Informationen über Lebensgewohnheiten, Konsumverhalten von Bürgern als Verbrauchern (bis hin zu Gesundheitsfragen, aber auch politischen Haltungen), aber auch Produktionsprozessen und -verhalten von Industriebetrieben. Damit verbunden können Akzeptanzprobleme insbesondere aufgrund von Datenschutzfragen – sowohl für Bürger als auch für Wirtschaftsakteure zunehmen. Darüber hinaus gibt es in der Bevölkerung aber auch Sorgen bezüglich der physikalischen und medizinisch-physiologischen Wirkungen der Technologien – die Diskussion um „Elektrosmog“ zeigt ebenso die Richtung wie immer wieder auftretende Vorbehalte gegen Mobilfunkstationen. Damit ist es auch möglich, dass der für die Digitalisierung notwendige Ausbau der Infrastruktur sich schwierig gestaltet und verzögert. Auch wenn immer wieder argumentiert wird, dass die Deutschen „technologieskeptisch“ eingestellt seien, lassen sich dafür empirisch keine stichhaltigen Befunde finden. Allenfalls in Einzelfällen wie zum Beispiel der grünen Gentechnologie ist dies zutreffend (vgl. Technopolis et al. 2014). Oftmals wird die Skepsis auch nur an bestimmten Anwendungen einer Technologie festgemacht, während andere Anwendungen derselben Technologie positiv besetzt sind (vgl. Heinrich 2014). Allerdings kann in den letzten Jahren (auch international) eine abnehmende Akzeptanz von Technik beobachtet werden. Eine geringe Akzeptanz besteht vor allem, wenn Technik in Verbindung mit Macht wahrgenommen wird, die Bevölkerung von externen Technologien betroffen ist, somit das Gefühl hat, fremdbestimmt zu werden und mögliche Folgen für Umwelt, Gesundheit und Privatsphäre vorhanden sind (acatech 2011). Daher ist davon auszugehen, dass es zwar zu lokalen Beschränkungen kommen kann (insbesondere „Not In My Backyard“- Motivationen), allerdings keine durchgehende Verlangsamung der Digitalisierung in Deutschland stattfinden wird. Betroffen sind durch das Risikocluster Digitalisierung insbesondere die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Grundsätzlich kann die Versorgungssicherheit durch die zusätzliche Last der Digitalisierung und durch mögliche Cyberattacken beeinträchtigt werden. Dies führt zu einer i.W. fossilen Systemabsicherung, die die Dekarbonisierung des Energiesystems erschwert oder verlangsamt. Kommt es zu einer Rohstoffkonkurrenz zwischen Digitalisierung und erneuerbaren Energien ist der Staat gefordert, da einerseits Prioritäten gesetzt werden müssen oder andererseits die erneuer- Schwarzer Schwan: Überraschend & unerwartet, enorme Auswirkungen 47

aren Energien weniger schnell wirtschaftlich konkurrenzfähig würden. Außerdem würden vermutlich Fördermittel und FuE-Mittel verstärkt in die Entwicklung integraler Systeme zur Sicherung der Sekundärrohstoffe fließen – was langfristig zur Lösung des Problems beitragen sollte. Mit zunehmender Digitalisierung werden Gesellschaft und Akzeptanz eine entscheidende Rolle spielen. Smart Grids, Smart Metering, Cloud Computing und der Ausbau der IT-Infrastruktur ist an tiefgreifende Akzeptanzfragen und privaten Datenschutz gekoppelt. Eine Schwächung der Wirtschaft durch das (nicht mitgehaltene) Tempo der Digitalisierung würde sowohl eine Änderung der Prioritätensetzungen wahrscheinlich machen als auch die „Energiewende“ verlangsamen. 3.3.3.4 Quantifizierungsmöglichkeiten der Wirkungen Grundsätzlich sind die Auswirkungen der Digitalisierung nur schwer quantifizierbar. Ansatzpunkte bieten Bereiche des Energiesystems und der zusätzlichen Vorhaltung fossiler Kraftwerksleistung zur Gewährleistung von Versorgungssicherheit. Dabei stellt sich die Frage inwiefern der zusätzliche Stromverbrauch der Digitalisierung die Last in systemkritischen Zeiten anhebt. Als Richtwert könnten heutige Lastprofile aus dem IKT-Bereich dienen. Die zusätzliche Leistung könnte mit Gasturbinen abgesichert werden, wobei die anfallenden Fixkosten bekannt wären. Zur umgekehrten Frage (Effizienzsteigerung im System durch Digitalisierung) lassen sich prinzipiell Abschätzungen vornehmen, allerdings sind hier über die Prämissen sehr viele Annahmen zu treffen. 3.3.3.5 Verbindungen und Ähnlichkeiten mit anderen Risikoclustern Das Risikocluster 3 „Digitalisierung“ steht in enger Beziehung zu anderen Risikoclustern. So könnte beispielsweise die Konkurrenz um Rohstoffe mit anderen Technologien zunehmen. Denkbar ist dann die Verknüpfung mit Risikocluster 8 „Finanzmittel für EE“: Die Rohstoffkonkurrenz zwischen Digitalisierung und EE kann dabei die Bereitstellung von Finanzmittel für EE belasten. Hier schließt auch das Risikocluster 10 „Rohstoffzugang“ an. Ein explosionsartiges Wachstum der IT-Infrastruktur würde die Nachfrage nach seltenen Metallen und Halbleitern massiv steigen lassen. Evident ist der Zusammenhang mit Risikocluster 9 „Kriminalität & Terrorismus“. Die ansteigende Komplexität der IT-Systeme und deren Nutzung bzw. zentrale Bedeutung für ein digitalisiertes Energiesystem eröffnet zum Beispiel die Gefahr von Cyber- Schwarzer Schwan: Überraschend & unerwartet, enorme Auswirkungen 48

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