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Die Energiewende im Stromsektor: Stand der Dinge 2018

Rückblick auf die wesentlichen Entwicklungen sowie Ausblick auf 2019

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Agora Energiewende | Die Energiewende im Stromsektor: Stand der Dinge 2018 gesunken – mit entsprechend geringeren Exporten von Deutschland nach Frankreich. Die geringeren Exporte nach Österreich sind wiederum auf die Aufspaltung der deutsch-österreichischen Strompreiszone am 1. Oktober 2018 zurückzuführen. Seither gibt es einen Strompreis für Deutschland und Luxemburg einerseits und einen für Österreich andererseits, wobei zwischen beiden Preiszonen eine Handelskapazität von 4.900 Megawatt garantiert wird. Der Preiszonensplit erfolgte aus zwei Gründen: Zum einen wurden auf deutscher Seite eine stetig steigende Anzahl an Netzeingriffen notwendig, um österreichischen Kunden trotz der vorhandenen Netzengpässe die gleichen Strompreise zu garantieren wie sie in Deutschland vorherrschen. Dies hat die Redispatch-Kosten in Deutschland erheblich erhöht. Zum anderen waren Loop-Flows von Deutschland durch Polen und Tschechien nach Österreich, verursacht durch ungenügende Netzinfrastruktur an der deutsch-österreichischen Grenze, ursächlich. Diese Ringflüsse hatten in Polen und Tschechien die Netze belastet, ohne einen Handelsnutzen zu bringen. Nach der Trennung der Strompreiszone herrscht zwischen Deutschland und Osterreich zwar nach wie vor reger Stromhandel, aber nicht mehr unbegrenzt, sondern nur noch entsprechend der tatsächlich existierenden Kapazität der Grenzkuppelstellen. Die Folge sind etwa 15 Prozent höhere Großhandelsstrompreise in Österreich als in Deutschland seit Oktober 2018 (siehe Abbildung 4-4), da in Österreich nun häufiger Gaskraftwerke preissetzend wirken, während es in Deutschland nach wie vor überwiegend Kohlekraftwerke sind. Die Struktur der Handelsflüsse von und nach Deutschland hat sich im Vergleich zu 2017 nicht stark gewandelt (siehe Abbildung 4-2): Die Richtungen der Handelssalden sind – mit Ausnahme von Polen – gleich geblieben, allerdings haben sich die Dimensionen geändert. So heißen die größten Stromabnehmerländer nach wie vor Österreich, Frankreich Die Struktur der Handelsflüsse bleibt ähnlich, aber die Dimensionen ändern sich: Der Stromaußenhandel mit den Nachbarländern in den Jahren 2017 und 2018 im Vergleich Abbildung 4-2 TWh 2017 TWh 2018 Import von Export nach Saldo Import von Export nach Saldo Schweden 2,2 0,3 -1,9 1,2 0,3 -0,9 Österreich 10,6 42,4 31,8 10,1 35,0 25,0 Schweiz 3,1 11,6 8,6 4,8 8,8 4,0 Tschechien 7,7 5,1 -2,5 6,5 4,9 -1,5 Dänemark 6,3 3,9 -2,3 5,6 5,2 -0,4 Frankreich 3,8 17,5 13,7 3,8 12,7 8,9 Niederlande 1,2 10,7 9,6 0,4 13,0 12,5 Polen 1,9 0,8 -1,0 0,6 1,4 0,9 Luxemburg 0,1 4,5 4,3 0,2 3,8 3,7 Summe 36,7 96,9 60,2 33,1 85,3 52,1 Eigene Berechnung auf Basis von ENTSO-E (2018, Stand 28.12.18); es werden kommerzielle Stromhandelsflüsse dargestellt 32

ANALYSE | Die Energiewende im Stromsektor: Stand der Dinge 2018 und die Niederlande. Während weniger Strom nach Frankreich und Österreich floss, stiegen die Exporte in die Niederlande um 3 Terawattstunden. Nach der Teilung des deutsch-österreichischen Marktgebietes zum 1. Oktober wurden im letzten Quartal 2018 im Schnitt 0,7 Terawattstunden pro Monat weniger nach Österreich exportiert als noch in den ersten drei Quartalen. Die Mehrexporte in die Niederlande lassen sich durch die Kernkraftwerksausfälle im November in Belgien erklären: Da die direkte Stromverbindung zwischen Belgien und Deutschland erst zum Jahr 2020 in Betrieb geht 1 , fließen derzeit Importe nach Belgien über die Niederlande. In Richtung Polen 1 Amprion (2018) hat sich das Stromhandelssaldo umgekehrt – war Deutschland 2017 noch Nettoimporteur von 1 Terawattstunde, wurden 2018 im Saldo 0,9 Terawattstunden nach Polen exportiert. Der Grund dafür ist das niedrigere Strompreisniveau in Deutschland und die Tatsache, dass die Strom-Phasenschieber an der deutsch-tschechischen und deutsch-polnischen Grenze nunmehr alle installiert wurden. Ihr Zweck ist die Vermeidung ungeplanter Stromflüsse durch die Nachbarländer; durch ihre Installation ist nun wieder vermehrt Stromhandel in beiden Richtungen möglich. Ein Blick in die Daten der verschiedenen Börsen zeigt, dass die durchschnittlichen Strompreise (Day-ahead) in Deutschland und allen Nachbar- Deutschland hat die zweitniedrigsten Börsenstrompreise in Europa: Die Großhandelsstrompreise der europäischen Nachbarstaaten im Vergleich Abbildung 4-3 NORDPOOL 43,98 FI NO EE DK SE LT LV IE GB 64,89 NL 52,51 BE 55,41 DE, AT, LU 44,72* CZ PL 52,31 SK UA PT 57,46 ES 57,31 FR 50,22 CH 52,26 IT 61,31 SI HU HR BA RS ME MK AL GR RO BG < 50 Euro/MWh 50–59 Euro/MWh 60 Euro/MWh Eigene Berechnung auf Basis von EPEX-SPOT (2018a), Nordpool (2018), Belpex (2018), OMEL (2018), Mercato Elettrico (2018), APX (2018), POLPX (2018, Stand 28.12.18), *Berechnung des Deutschnittspreises für die Preiszone DE/AT/LU: siehe Fußnote 2 33

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