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Globale Trends der KI für die Energiewirtschaft

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1 Globale Entwicklungen der KI In der Gesamtsumme könnten demzufolge 326 Millionen Jobs mit künstlicher Intelligenz in Berührung kommen, wobei das Risiko der Beschäftigten, von Automatisierungsprozessen betroffen zu sein, abhängig von der jeweiligen Industrie sein wird. Am stärksten von der Automatisierung bedroht sind mehr als die Hälfte der Jobs im Transportwesen und der Lagerung (52 %), sowie Tätigkeiten in der Manufaktur (45 %). Auf Letztere werden sich die Auswirkungen aufgrund ihrer höheren Dichte von Arbeitenden jedoch stärker auswirken. Demgegenüber werden Jobs in den Bereichen Gesundheitswesen und Bildung aufgrund ihres starken sozialen Fokus weniger stark betroffen sein. Auf makroökonomischer Ebene werden sich beide Effekte, Verlust und Neugewinnung von Jobs, bis 2030 neutralisieren (Barnard Roberts u. a., 2018). Steigende Investitionen im Bereich der KI Das international gestiegene Interesse an KI-Technologien lässt sich auch am stetig wachsenden Eigenkapitalinvestment von Investmentfonds, Wagniskapital-Unternehmen und Corporate-Investoren an KI-Start-ups ablesen. Dies betrifft insbesondere die Sparte des autonomen Fahrens, die 2018 30 % aller Privatinvestitionen in KI-Start-ups auf sich vereinigt hat. Der stetige Anstieg der Gesamtinvestitionen veranschaulicht damit, dass Investoren zunehmend auf das Potenzial der künstlichen Intelligenz setzen. Insgesamt wurden seit 2011 mehr als 50 Milliarden US-Dollar in KI-Start-ups investiert, wobei der globale Trend von den USA und der Volksrepublik China angeführt wird. Zwei Drittel des globalen Investitionsvolumens fließen in US-amerikanische Unternehmen, was jedoch aufgrund des hohen Investitionsvolumens der USA, das technologieübergreifend 70 bis 80 % aller Wagniskapitalfinanzierungen weltweit auf sich vereinigt, nicht überraschend ist. Den schnellsten Anstieg verzeichnen chinesische Unternehmen, die im Jahr 2017 bereits 36 % der globalen Investments anziehen konnten, im Vergleich zu 3 % im Jahr 2015 (OECD, 2018). Global gesehen spiegelt sich der KI-Trend ebenfalls in der Anzahl von Investment-Deals wider – von weniger als 200 Transaktionen im Jahr 2011 sind diese innerhalb der folgenden sechs Jahre weltweit auf 1.400 Deals pro Jahr gestiegen – was einem kumulierten jährlichen Wachstum von 35 % entspricht. Zudem zeichnet sich global ein höherer Durchschnittswert pro Finanzierung ab. Dies zeugt von größerer Reife, sowohl in den KI- Technologien als auch in den Strategien der Investoren, da sich höhere Finanzierungssummen auf weniger KI-Firmen konzentrieren. Beispielsweise lag 2012 lediglich ein einziger Deal zwischen 10 und 100 Millionen US-Dollar, während 2018 bereits 40 % aller Finanzierungen einen Wert in dieser Größenordnung besaßen. 4,4 % aller Deals verzeichneten einen Wert von mehr als 100 Millionen US-Dollar – im Jahr 2012 kein einziger (ebd.). Dr. Rainer Hoffmann Senior Manager Data & Analytics EnBW Energie Baden-Württemberg AG Welchen Einfluss hat der verstärkte Einsatz von KI-Algorithmen auf die Wirtschaft? Künstliche Intelligenz wirkt sich sehr positiv auf die Wirtschaft aus. Zum einen lassen sich mithilfe von KI Prozesse automatisieren, zum anderen entstehen gänzlich neue Produkte und Geschäftsmodelle. Routinetätigkeiten, die eigentlich menschliche Wahrnehmung erfordern, z. B. eine visuelle Inspektion von Erzeugnissen, können heute sehr gut von einer KI übernommen werden. 18

1 Globale Entwicklungen der KI Dadurch werden viele Arbeitsplätze potenziell attraktiver, denn es fallen Arbeitsschritte weg, die monoton sind und sich ständig wiederholen. Der Fokus kann stattdessen auf die Aufgaben gelegt werden, die individuelles menschliches Handeln erfordern. KI kann allerdings auch Leistungen erbringen, zu denen ein Mensch niemals imstande wäre, wie etwa die kontinuierliche Auswertung von Millionen Datenpunkten zur Zustandsüberwachung von Anlagen. So werden Produkte und Services möglich, die es ohne KI nicht geben würde. Wird Ihrer Meinung nach auf Seite der Wirtschaft genug in KI investiert? In meiner Wahrnehmung investieren vor allem Firmen in diese Technologie, die den Mehrwert von KI verstanden haben. Insbesondere aus der nationalen Diskussion höre ich aber heraus, dass viele Unternehmen nicht wissen, wie sie sich konkret an KI heranwagen sollen. Daher vermute ich hinter zögerlichen Investitionen eine Unsicherheit der Unternehmen. Ich bin davon überzeugt, dass in jedem Unternehmen potenzielle Anwendungsfelder für KI existieren. Die Möglichkeiten z. B. im Bereich „Computer Vision“ oder im „Natural Language Processing“ sind sehr vielfältig. Daher würde ich mir wünschen, dass immer mehr Firmen das Potenzial von KI für sich entdecken. Das hat viel mit Kultur und Verständnis zu tun und gar nicht allzu sehr mit komplizierten Algorithmen. Angesichts des boomenden Marktes für KI-Fachkräfte in Asien und den USA – wie kann man als europäisches Unternehmen KI-Spezialisten gewinnen und langfristig binden? Aktuell ist das Recruiting von Spezialisten nicht ganz einfach. Es fängt damit an, dass nicht jeder ein KI-Experte ist, der dies in seinem Lebenslauf angibt. Gute Mitarbeiter mit einschlägiger Erfahrung zu bekommen, ist sehr schwierig – von Standortnachteilen ganz zu schweigen. Das Präsentieren von spannenden Use Cases auf Konferenzen und Meetups ist da für die Personalwerbung sicherlich hilfreich. Ich bin aber auch ein großer Verfechter der internen Qualifizierung von Mitarbeitern. Bevor man extern nach Experten sucht, sollte man intern schauen, wer sich für das Thema begeistert. Die Weiterbildungsangebote sind heute sehr vielfältig und erschwinglich. Werden Unternehmen Ihrer Einschätzung nach wirtschaftlich von KI profitieren? Wenn ja, wie genau? Viele Unternehmen sammeln bereits Erfahrung im Umgang mit KI. Dabei wird es in den nächsten Jahren entscheidend sein, eine KI effizient zu betreiben. Wer hier erfolgreich ist und KI kommerziell betreiben kann, wird sicherlich wirtschaftlich profitieren. Sehen Sie durch den Einsatz von KI eher Chancen oder eher Risiken für die Wirtschaft? Die Chancen überwiegen für mich eindeutig. Wenn ich KI verantwortungsbewusst einsetze und die Auswirkungen verstehe, d. h. auch die Risiken manage, werde ich von KI profitieren. Risiken kommen auf, wenn ich KI einsetze, ohne ein klares Verständnis davon zu haben. Durch Self-Service Analytics Tools werden zunehmend immer mehr Personen KI- Anwendungen entwickeln können, ohne eine Zeile Code selber schreiben zu müssen. Wenn das jedoch ungeschulte Personen machen, können die Ergebnisse der KI unerwünschte Folgen haben. Wir sollten KI immer als das begreifen, was sie ist: eine Sammlung statistischer Verfahren, deren Aussage immer nur mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit gilt. Und mit dieser Unsicherheit muss letzten Endes immer noch der Mensch umgehen und sie interpretieren können. dena-Analyse „Globale Trends der KI und deren Implikationen für die Energiewirtschaft“ 19

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