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Impulspapier Energy Sharing

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BEWIRTSCHAFTUNG UND

BEWIRTSCHAFTUNG UND MANAGEMENT VON ENERGY SHARING In der Regel übernimmt ein drittes EVU die Bewirtschaftung des Energy Sharings einer REC. Dieses kann die anfallenden energiewirtschaftlichen Prozesse effizient abbilden. Ähnlich wie industrielle Großverbraucher kann die REC aber auch selbst ein EVU werden und den eigenen Bilanzkreis bewirtschaften. Eine Alternative oder Ergänzung zu diesem Vorschlag kann die Etablierung einer „Energy-Sharing-Grundversorgung“ durch den VNB oder den Grundversorger sein. In Bilanzierungsgebieten, in denen die Bewirtschaftung des Energy Sharings einer REC etwa aufgrund der Verbraucherstruktur oder aufgrund des EE-Potenzials wirtschaftlich wenig attraktiv erscheint, könnte der VNB oder der Grundversorger verpflichtet werden, EVU-Dienstleistungen mit zu definierenden Mindeststandards anzubieten. Folgende Aufgaben und Prozesse sind in der Regel vom EVU zu bewerkstelligen: • (Sub-)Bilanzkreisführung: Alle am Energy Sharing teilnehmenden EE-Anlagen und Verbraucher je REC sind getrennt zu bilanzieren. Der VNB erhält die Pflicht, den weiter oben beschriebenen Fahrplan für die anteilige Differenzzeitreihe in diesen Bilanzkreis einzustellen. Für diese Mengen gelten ansonsten die Marktregeln für die Durchführung der Bilanzkreisabrechnung Strom (MaBiS), in jeder Viertelstunde ist der Bilanzkreis auszugleichen. • Energiedatenmanagement und Geschäftsprozesse zur Kundenbelieferung mit Elektrizität (GPKE): Bei Eintritt ins Energy Sharing der REC wird der Prozess des Lieferantenwechsels angestoßen. Der alte Lieferant erhält eine Kündigung und das Lieferende wird festgelegt. Beim Lieferbeginn wird das EVU zum neuen Lieferant, die Marktlokation (Einspeiseoder Ausspeisestelle) wird dem VNB gegenüber als Teil der REC angezeigt (hierfür existiert noch kein Prozess in der GPKE). Bei Austritt aus dem Energy Sharing erfolgt ebenfalls wieder ein Lieferantenwechsel. • Direktvermarktung von überschüssigem Strom aus erneuerbaren Energien über die Strommärkte: Die Vermarktung geschieht als sonstige Direktvermarktung. • Stromkennzeichnung: Das EVU teilt der REC mit, wie viel Strom gemeinsam genutzt und wie viel Strom aus dem Netz bezogen wurde. Für den Netzbezug erfolgt eine herkömmliche Stromkennzeichnung. • Rechnungslegung aller Entgelte, Umlagen und Steuern und Weitergabe an die entsprechenden Unternehmen, Ämter und Stellen. Folgende Aufgaben fallen in der Regel bei der REC an: • Die REC muss Neuanlagen planen, finanzieren und bauen. Je mehr Anlagen die REC zum Energy Sharing betreibt, desto mehr Mitglieder bzw. Anteilseigner können den erzeugten Strom gemeinsam nutzen. • Abrechnung der REC-Mitglieder bzw. -Anteilseigner, die am Energy Sharing teilhaben, entsprechend des jeweiligen Stromverbrauchs • Konzeption und Umsetzung von Lastmanagement innerhalb der REC, etwa über Apps zum Laden von E-PKWs oder Lastspitzenkappung über intelligente Lastmanagementsysteme. Impulspapier Energy Sharing 15

• Anlagenbetrieb, Wartung und Instandhaltung sollte für REC-Anlagen zentral gesteuert und optimiert werden. Diese Aufgaben sind sehr vielfältig und in ihrer energiewirtschaftlichen Komplexität herausfordernd. EVUs eignen sich aufgrund der Prozessverwandtschaft mit ihren klassischen Aufgaben, um diese Aufgaben als Dienstleistung anbieten. Das sei in folgendem Exkurs in einem Beispiel dargestellt. EXKURS: PRAXISBEISPIEL – ENERGIEGENOSSENSCHAFT STELLT AUF ENERGY SHARING UM Dieses Beispiel ist frei erfunden und dient allein der Anschaulichkeit. Die regionale Energiegenossenschaft „GruEner Hessen“ (kurz GEH) wurde 2014 mit dem Ziel gegründet, auch Bürgerinnen und Bürger mit geringem Einkommen in die Genossenschaft einzubinden. Das Hauptgeschäftsfeld der GEH ist die Stromerzeugung und der -vertrieb. Die Anlagen der GEH sind vorwiegend Solaranlagen auf den Dächern von öffentlichen Gebäuden (Schulen, Rathäuser etc.). Bisher können die Mitglieder den Strom nicht selbst nutzen, die GEH verkauft ihn über einen Direktvermarkter an der Strombörse. Die Genossenschaft erhält dann den Börsenstrompreis – meist 2 bis 6 ct/kWh und die gesetzlich festgelegte Marktprämie. Der erzeugte erneuerbare Strom der Genossenschaft wird also als Graustrom an den Strommärkten gehandelt. Das soll sich nun ändern: Die GEH prüft, ob sie alle Anforderung einer REC erfüllt, und stellt das Vermarktungskonzept auf Energy Sharing um. Der individuelle Stromverbrauch der teilnehmenden Genossenschaftsmitglieder wird zum virtuellen REC-Summenstromverbrauch der GEH. Der gemeinsam erzeugte Strom deckt diesen Verbrauch nun teilweise und jede zeitgleich genutzte kWh erhöht den wirtschaftlichen Vorteil der REC und ihrer Mitglieder. Um Energy Sharing zu betreiben, muss sich die GEH beim Netzbetreiber als REC anmelden und einen Subbilanzkreis zur getrennten Bilanzierung angeben. Vertreten wird die REC dabei durch das Energieversorgungsunternehmen Greendeal GmbH. Dieses nimmt auch die Kundenwechselprozesse für jedes teilnehmende GEH-Mitglied vor und ist als Lieferant für die REC eingesetzt. Die EE-Anlagen der REC, die zur gemeinsamen Nutzung vorgesehen sind, werden ebenfalls in den (Sub-)Bilanzkreis umgemeldet. Einzelne kleinere Anlagen auf den Dächern der Mitglieder, für die eine Direktvermarktung bisher unwirtschaftlich ist, verharren zunächst im bisherigen Vermarktungskonzept. Nach einer EEG-Reform mit Deminimis-Regeln für eine vereinfachte Direktvermarktung von kleineren Anlagen lohnt sich auch deren Integration und gemeinsame Nutzung. Die REC erhält vom Netzbetreiber als virtueller Summenverbraucher eine Abrechnung und wird als Lastprofilkunde geführt. Die GEH-Mitglieder und Interessenten erhalten ein Preisblatt, was die Teilnahme am Energy Sharing und an der REC kostet. Impulspapier Energy Sharing 16

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