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Rotmilan und Windenergie im Kreis Paderborn

Untersuchung von Bestandsentwicklung und Bruterfolg.

43 Durch die rasche

43 Durch die rasche Vergrößerung des Flächenanteils des Nahbereichs um WEA im Kreis Paderborn aufgrund des starken Ausbaus der Windenergie in den letzten Jahren zeigt sich, dass die Rotmilane nicht aktiv die Flächen in der Nähe der WEA als Revier auswählen, sondern dass die schon in der Vergangenheit vorhandenen Habitate der Tiere immer stärker durch die Windenergie genutzt werden. Unter der Annahme, dass das Kollisionsrisiko von Tieren, die im Nahbereich brüten, größer ist als bei Bruten in weiter entfernten Bereichen, würde sich somit auch das Kollisionsrisiko für die örtliche Rotmilanpopulation, insbesondere im Naturraum Paderborner Hochfläche erhöhen. Es fehlen jedoch Daten, die einen signifikanten Zusammenhang zwischen Brutplatzentfernung und der Häufigkeit von Kollisionsereignissen stützen. Die Annahme beruht bislang auf der Tatsache, dass die flächenbezogene Flugaktivität in Brutplatznähe höher ist als in größerer Entfernung (SPRÖTGE et al. 2018). Eine Reihe von Studien konnte einen Zusammenhang zwischen Flugaktivität und Kollisionsrisko jedoch nicht belegen (GRÜNKORN et al. 2016). Auch die hier vorliegenden Daten zum Bruterfolg geben keinen Hinweis auf ein erhöhtes Kollisionsrisiko von Brutpaaren im Nahbereich von Windenergieanlagen. Ebenso konnte kein Einfluss auf die Brutplatztreue festgestellt werden. 7.4 Vorher-Nachher-Vergleich Bei der Betrachtung der Revier- und Brutdichten der ausgewählten Windparkflächen im Vergleich mit einer Referenzfläche wurde kein signifikanter Einfluss der Inbetriebnahme der WEA festgestellt. Die Änderungen der Revier- und Brutdichten ab dem Jahr der Inbetriebnahme sind in den beiden betrachteten Windparks nicht einheitlich, gleichzeitlich lässt sich keine signifikante Entwicklung der Dichten über den Untersuchungszeitraum nachweisen. Auch bei dieser Analyse ist somit ein Einfluss der Windenergienutzung auf den Rotmilanbestand nicht erkennbar. Generell werden die Bedingungen für einen aussagekräftigen Vorher-Nachher-Vergleich im Verlauf der Jahre zunehmend schwieriger. Durch die inzwischen dichte Bebauung des Untersuchungsgebiets mit WEA sind Flächen in größerer Entfernung zu Windparks und einzelnen Anlagen, die dem Rotmilan als Brutrevier dienen können, nur noch in geringem Ausmaß zu finden. Neue WEA wurden und werden meist in der Nähe zu bestehenden Anlagen errichtet, sodass die Bruten bereits vor der Inbetriebnahme der neuen WEA in Windparknähe stattfanden. Zusätzlich müssen für den Vorher-Nachher-Vergleich Daten aus Jahren vor der Inbetriebnahme zur Verfügung stehen, insbesondere auch für die Bruten. Aus diesen Gründen konnte nur eine kleine Stichprobenanzahl an Windparks mit teilweise nicht ausreichender Datengrundlage ausgewählt werden. 7.5 Vorliegende Hinweise auf Kollisionsopfer Für den untersuchten Zeitraum von 2010 bis 2016 sind nur wenige Hinweise auf Kollisionsopfer von Rotmilanen an WEA im Kreis Paderborn bekannt geworden, bei denen es sich zudem sämtlich um Zufallsfunde handelt. Daten aus systematischen Kollisionsopfersuchen mit Berücksichtigung der notwendigen Korrekturfaktoren (vgl. GRÜNKORN et al. 2016) liegen nicht vor. In der Fundkartei der Staatlichen Vogelschutzwarte Brandenburg sind für den betrachteten Zeitraum sieben Rotmilane aus dem Kreis Paderborn gelistet (und ein weiterer aus 2018). 9 Die Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest e.V. + Biologische Station Soest (ABU) sammelt Funde von Kollisionsopfern im Bereich des europäischen Vogelschutzgebiets Hellwegbörde von Unna bis Salzkotten sowie die Paderborner Hochfläche bis Marsberg-Meerhof. 10 Hieraus liegen fünf Rotmilanfunde aus den Jahren 2015 und 2016 für den Kreis Paderborn vor (sowie fünf weitere für 2018 und 2019). BÜKER & FINKE (2018) berichten für das Jahr 2018 von sechs an WEA kollidierten Rotmilanen, wobei es sich jedoch ebenfalls nicht um eine standardisierte Kollisionsopfersuche handelt. Die Autoren wählten hierfür die WEA aufgrund des von ihnen erwarteten Kollisionsrisikos sowie der Erreichbarkeit aus. Unter einem Teil der WEA im Kreis Paderborn wurde somit „häufiger nach (vom Auto aus sichtbaren!) toten Vögeln geschaut“. Weitere Angaben zum Suchaufwand und zur Anzahl der abgesuchten WEA sind nicht vorhanden. Die Funde verteilen sich im Zeitraum von Mitte Juli bis Anfang November 2018, d.h. außerhalb der Brutzeit, auf vier Windparks. Dopplungen mit den o.g. Zahlen sind gegeben. 9 https://lfu.brandenburg.de/cms/media.php/lbm1.a.3310.de/wka_voegel_de.xls, Abruf am 26.06.2019 10 http://www.abu-naturschutz.de/naturschutzthemen/windkraft.html (abgerufen am 20.05.2019)

44 Ein Bezug dieser Zufallsfunde zu den in der vorliegenden Studie durchgeführten Auswertungen ist nicht möglich, insbesondere weil ein Großteil der Funde aus 2018 stammt und somit außerhalb des Zeitraums der ausgewerteten Populationsdaten liegt. Hinzu kommt, dass aufgrund mangelnder methodischer Systematisierung der Suchen eine Abschätzung der tatsächlichen Kollisionsopferzahlen nicht möglich ist. Die Angaben werden daher an dieser Stelle nur nachrichtlich aufgeführt. Es lässt sich lediglich festhalten, dass bis 2016 aufgetretene Kollisionen nicht zu einem erkennbaren Einfluss auf die Bestandsgröße und den Bruterfolg sowie auf die räumliche Verteilung von Brutplätzen in Relation zu Windenergieanlagen geführt haben. 7.6 Ausblick und weiterer Forschungsbedarf Für den Zeitraum 2010-2016 konnte im Kreis Paderborn kein signifikanter Einfluss der Windenergienutzung auf die Bestandszahlen des Rotmilans nachgewiesen werden, wobei das Kollisionsrisiko ggf. örtlich und/oder in den letzten Jahren erhöht gewesen sein könnte. Um die Entwicklung der Population über einen längeren Zeitraum und insbesondere im aktuellen Ausbauzustand der Windenergienutzung analysieren zu können, ist eine weitere Auswertung der laufenden Rotmilanerfassung der Biologischen Station Paderborn - Senne ab dem Jahr 2017 sinnvoll. Insbesondere sollte hierdurch die bislang eingeschränkte Datenlage zum Bruterfolg verbessert werden. Angesichts der dargestellten Hinweise auf Kollisionen für 2018 und der Tatsache, dass der Anteil an Rotmilanbruten innerhalb des 1.500 m Radius um WEA im Kreis Paderborn stetig zugenommen hat und im Jahr 2016 bereits bei rund einem Drittel lag, wäre eine Fortführung der in dieser Studie durchgeführten Untersuchungen aufschlussreich. Hinsichtlich der Ermittlung des Ausmaßes des Kollisionsrisikos sind verschiedene Ansätze, auch in Kombination, denkbar: Telemetrische Erfassung der Raumnutzung von Rotmilanpaaren mit Brutplätzen im Nahbereich bestehender WEA (Vorteil: Ermittlung umfassender Bewegungsmuster einzelner Individuen), Orts- und höhengenaues Tracking von Flugbewegungen innerhalb von Windparks unter Verwendung von Laser Range Findern (Vorteil: Ermittlung der Flugaktivität in Windparks ohne Beschränkung auf ausgewählte Individuen); Durchführung systematischer Kollisionsopfersuchen, Validierung der bisherigen Kollisionsopferfunde, insbesondere aus 2018. Außerdem könnten entsprechende Untersuchungen auch auf andere Naturräume mit ähnlicher Datenlage ausgeweitet werden. 7.7 Fazit Im Kreis Paderborn stehen dem Rotmilan attraktive Lebensräume zur Verfügung, die im Untersuchungszeitraum zu stabilen Bestandszahlen geführt haben (BIOLOGISCHE STATION KREIS PADERBORN - SENNE 2016). Gleichzeitig konzentriert sich in den Rotmilanhabitaten des Kreises Paderborn der Ausbau der Windenergie. Eine hohe Dichte von Rotmilanrevieren im Nahbereich der WEA spiegelt diese Entwicklung wieder. Eine Analyse von Bestandsdaten aus dem Zeitraum 2010 bis 2016 unter Verwendung von Habitatmodellen ergab keine Hinweise auf einen signifikanten Einfluss der Windenergienutzung auf den Rotmilanbestand sowie auf die Anzahl tatsächlicher Bruten, den Bruterfolg und die Brutplatztreue. Es besteht weiterer Forschungsbedarf im Hinblick auf die Auswertung der fortlaufenden Rotmilanerfassungen seit 2016.

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