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A-Z - Fakten zur Windenergie

Von A wie Arbeitsplätze bis Z wie Ziele der Energieversorgung

O Offshore – Signal

O Offshore – Signal auf Grün Starke und stetig wehende Winde auf hoher See machen die Offshore- Windenergie interessant. Die Energieausbeute liegt aufgrund höherer Volllaststunden schätzungsweise um 40 Prozent höher als an Land. Aus diesem Grund können sogenannte Offshore-Windparks in den kommenden Jahren einen stetig wachsenden Beitrag zur Energieversorgung leisten. Nach Schätzungen der European Wind Energy Association (EWEA) können in Europa bis 2020 bis zu 40 Gigawatt (GW) und im Jahr 2030 150 GW Offshore-Leistung installiert sein. 72 In Deutschland läuft die erste Ausbaustufe mit Hochdruck, sie wird bis Ende 2015 etwa 3 Gigawatt ans Netz gebracht haben. 73 Das ↗ EEG 2014 sieht etwa 6,5 GW bis 2020 und 15 GW bis 2030 vor. Der Ausbau der Anlagen und des Netzes auf See muss künftig synchron verlaufen. Hightech in Nord- und Ostsee Der deutsche Rückstand in der Offshore-Windenergie erklärt sich aus den besonderen Bedingungen. Aus Naturschutzgründen (Schutz des Wattenmeers) und um Auswirkungen auf das ↗ Landschaftsbild auszuschließen, sehen die deutschen Offshore-Projekte – im Gegensatz zu skandinavischen und britischen Projekten – Standorte weit vor der Küste in bis zu 40 Metern Wassertiefe vor. Viele geeignete Flächen liegen deshalb in der „Ausschließlichen Wirtschaftszone“ (AWZ), also außerhalb der 12-Seemeilen-Zone. Die technischen Anforderungen (Fundamente, Turmbau, Kabellegung, Logistik und Wartung) sind hierbei um ein Vielfaches höher als beim Bau von Anlagen direkt vor der Küste. Auch der Wartung auf hoher See und der regelmäßigen Zustandsüberwachung kommt durch die konstante Einwirkung von Salzwasser, Stürmen und Gezeiten eine zentrale Bedeutung zu. Die forcierte Entwicklung der deutschen Offshore-Windenergienutzung sorgte bis 2013 für 18.800 ↗ Arbeitsplätze in der Branche. 74 Dabei trifft dieser Beschäftigungseffekt aufgrund der stark verteilten Wertschöpfungskette nicht nur den Küstenraum, sondern auch die industriellen Ballungsräume Süd- und Westdeutschlands, wo wichtige Bauteile wie Lager, Getriebe und Generatoren hergestellt werden. Das neue ↗ EEG hat dem deutschen Offshore-Markt überraschend erschwerte Rahmenbedingungen auferlegt, da die Degressionsstufen sowohl dem Koalitionsvertrag aus dem November 2013 als auch zuvor zugesagten Planungssicherheiten für die Offshore-Branche widersprechen. Die Anfangsvergütung für Windenergieanlagen auf See beträgt 15,4 Cent je Kilowattstunde und wird in den ersten zwölf Jahren ab Inbetriebnahme gezahlt. Die Grundvergütung liegt anschließend bei 3,9 Cent pro Kilowattstunde. Die im Basismodell vorgesehene Degression beträgt 0,5 Cent je Kilowattstunde ab dem 1. Januar 2018 und 1 Cent je Kilowattstunde ab dem 1. Januar 2020 sowie 0,5 Cent nach jedem weiteren Jahr. Optional können Betreiber von Offshore-Anlagen, die vor dem 1. Januar 2020 ans Netz gehen, eine erhöhte Anfangsvergütung von 19,4 Cent pro Kilowattstunde in den ersten acht Jahren ab Inbetriebnahme erhalten (Stauchungsmodell). Die Absenkung der Vergütung im Stauchungsmodell beträgt 1 Cent je Kilowattstunde zum 1. Januar 2018. 75 Die Übertragungsnetzbetreiber müssen bei Offshore-Windparks die Leitungen vom Umspannwerk bis zum Verknüpfungspunkt des nächsten Übertragungs- oder Verteilnetzes errichten und unterhalten. Das Energiewirtschaftsgesetz sieht außerdem Sammelanbindungen von Offshore-Clustern vor – es sollen möglichst viele, räumlich nah stehende Offshore-Parks gemeinsam angeschlossen werden. In Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie erstellen die Übertragungsnetzbetreiber und die Bundesnetzagentur den Offshore-Netzplan. So soll der Ausbau der Windenergie auf hoher See beschleunigt werden, damit die Ausbauziele auch erreicht werden können. 72 [O1] EWEA (2013), S. 15 73 [O2] Windguard (2015) 74 [O3] BMWi (2014), S. 7 75 [O4] EEG 2014, § 30, § 50 32

Onshore – Windenergie an Land O Windenergie an Land, auch Onshore-Windenergie genannt, ist die treibende Kraft der Energiewende. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sie sich aus der Nische heraus zur heute führenden Erneuerbare-Energien-Technologie entwickelt. Mit einem Stromanteil von rund 9 Prozent 76 macht die Windenergie aktuell mehr als ein Drittel des gesamten Erneuerbaren Stroms in Deutschland aus. Im Jahr 2014 produzierten circa 24.900 Windenergieanlagen an Land sauberen Strom mit einer installierten ↗ Leistung von über 38.000 Megawatt. 77 Neben der Anzahl der Windräder ist insbesondere auch die Leistungsfähigkeit der einzelnen Anlagen in den vergangenen beiden Dekaden erheblich gestiegen. Waren in den Neunzigerjahren Anlagen mit einer Leistung von 600 Kilowatt Standard, liegt der heutige Durchschnitt bei Neuanlagen bei 2,7 Megawatt. 78 Die größten modernen Anlagen schaffen gar eine Spitzenleistung von 7,5 Megawatt. Höhere Türme, größere Rotordurchmesser und kleinere Generatoren sorgen für mehr Volllaststunden bei gleichzeitig regelmäßiger erreichter Nennleistung. Insbesondere die höheren Türme machen Windenergie für das Binnenland wirtschaftlich attraktiv und eine Erschließung von Standorten im Süden der Bundesrepublik interessant. Zusätzlich sorgt eine immer bessere Qualität der Windgutachten für geplante Windparks sowie die inzwischen etablierte Technologie der ↗ Systemdienstleistung durch Windenergie für einen neuen Schub beim Ausbau der Onshore-Windenergie. Die ↗ Leistungsfähigkeit der Windenergie an Land wird nicht nur durch die Masse des eingespeisten Stroms, sondern insbesondere auch durch ihre geringen Kosten deutlich. Windenergieanlagen an Land produzieren schon heute günstigeren Strom als fossile Kraftwerksneubauten. Bezieht man ↗ externe Kosten in die Betrachtung mit ein, ist Onshore-Windenergie die günstigste verfügbare Energiequelle – auch unter den Erneuerbaren. Gegenwärtig stehen die meisten Windenergieanlagen in den nord- und mitteldeutschen Bundesländern. Die Spitzenreiter bei der installierten Leistung sind Niedersachsen, Brandenburg, Schleswig-Holstein und Sachsen- Anhalt. 79 Eine Studie des Fraunhofer Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) hat ergeben, dass vor allem in Bayern, aber auch in Baden- Württemberg ein enormes ↗ Potenzial für die Windenergienutzung vorhanden ist. 80 Zwischen den einzelnen Bundesländern bestehen deutliche Unterschiede hinsichtlich der Ausbaugeschwindigkeit und des Förderungsgrades. Während sich einige Bundesländer massiv gegen den Windenergieausbau im eigenen Land stemmen, erkennen andere die Wertschöpfungspotenziale für den ländlichen Raum und geben sich selbst ambitionierte Ausbauziele. In der Vergangenheit kam es zwischen Bund und Ländern zu unterschiedlichen Auffassungen bezüglich der Nutzung der Windenergie. Um den für das Gelingen der Energiewende unabdingbaren Austausch aller Beteiligten zu fördern, wurde im Mai 2011 die Bund-Länder-Initiative Windenergie ins Leben gerufen. In regelmäßigen Treffen tauschen sich nun die zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der beteiligten Ministerien aus und informieren sich gegenseitig über den aktuellen Stand. 76 [O10] AGEB (2014) 77 [O11] WindGuard (2015), S. 1 78 [O11] WindGuard (2015), S. 4 79 [O11] WindGuard (2015), S. 5 80 [O12] BWE (2012), S. 15 33

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