Aufrufe
vor 2 Jahren

Agora Energiewende und Wuppertal Institut (2019) - Klimaneutrale Industrie

Wie kann die Grundstoffindustrie in Deutschland bis spätestens 2050 klimaneutral werden – und gleichzeitig ihre starke Stellung im internationalen Wettbewerbsumfeld behalten? Diese Publikation soll einen Beitrag dazu leisten, richtungssicher investieren zu können.

Agora

Agora Energiewende | Klimaneutrale Industrie Konkret wurden die folgenden zehn Instrumente untersucht: 1. CO₂-Mindestpreis mit Grenzausgleichsregime: Ein ansteigender CO₂-Mindestpreis wird im EU-ETS als planbares Preissignal eingeführt. Zudem werden CO₂-basierte Abgaben auf Importe erhoben; Exporte in Regionen ohne vergleichbaren CO₂-Preis werden in Höhe der CO₂-Zusatzkosten kompensiert. 2. Carbon Contract for Difference (CfD): Bei Investitionen in CO₂-arme Schlüsseltechnologien erhalten Unternehmen für vermiedene CO₂-Emissionen projektbezogene Betriebskostenzuschüsse, wodurch Risiken reduziert werden. Die Förderhöhe wird über eine Auktion ermittelt, sie soll aber perspektivisch allen Unternehmen zur Verfügung stehen. 3. Grüne Finanzierungsinstrumente: Finanzierungskosten für Investitionen in CO₂-arme Technologien werden gesenkt, indem Kreditzinsen für Fremdkapital unter Marktniveau gesenkt werden und/oder das Risiko der Technologieentwicklung in den letzten Entwicklungsstufen staatlich abgesichert wird. 4. Klima-Umlage auf Endprodukte: Zur Refinanzierung anderer Instrumente wird auf ausgewählte Materialien (Stahl, Plastik, Aluminium und Zement) eine Abgabe – unabhängig von den CO₂-Emissionen ihrer Herstellung – erhoben. 5. CO₂-Preis auf Endprodukte: Beim Verkauf von Produkten an den Endverbraucher wird eine Abgabe auf Basis des CO₂-Gehalts der Materialien erhoben, was den Kostennachteil von CO₂-armen Produkten ausgleicht. Die Einnahmen können zur Refinanzierung anderer Instrumente genutzt werden. 6. Nachhaltige öffentliche Beschaffung: Der Staat und staatseigene Unternehmen werden verpflichtet, beim Bauen (zum Beispiel von Gebäuden, Brücken und Schienenwegen) und bei der Beschaffung von Fahrzeugen hohe Nachhaltigkeitskriterien anzulegen. Dies schafft sichere Absatzmärkte für nachhaltig hergestellte Grundstoffe und Endprodukte (vor allem Stahl, Zement und Fahrzeuge). 7. Quote für CO₂-arme Materialien: Produzenten von Konsumgütern werden verpflichtet, in ihren Endprodukten festgelegte Anteile von CO₂-frei produzierten Materialien zu verwenden, was Unternehmen sichere Absatzmärkte für CO₂arme Materialien garantiert. 8. Quote für grünen Wasserstoff: Grüner Wasserstoff wird von Erdgashändlern verpflichtend in den Verkehr gebracht, um Power-to-X-Technologien für die langfristige Dekarbonisierung zu skalieren. 9. Änderungen von Bau- und Produktnormen: Vorschriften und Normen werden grundlegend überarbeitet und kontinuierlich angepasst, um Materialeffizienz und -substitution sowie die Nutzung neuer Baustoffe (zum Beispiel Zement auf Basis alternativer Bindemittel) im Bau zu vereinfachen. 10. Standards für recycelbare Produkte: Hersteller werden verpflichtet, Produkte so zu konzipieren, dass Recycling vereinfacht wird, um Stoffkreisläufe zu schließen und um eine CO₂-intensive Primärproduktion zu reduzieren. Als Ergebnis der Analyse wurden dabei die folgenden beiden grundlegenden Optionen zur Ausgestaltung eines klima- und industriepolitischen Rahmens herausgearbeitet: Option I: Hoher CO₂-Preis im EU-ETS, gekoppelt mit einem Grenzausgleichsregime Ein hoher CO₂-Preis im EU-ETS, gekoppelt mit einem Grenzausgleichsregime ist aus ökonomischer Sicht das effizienteste Instrument und garantiert ein Level Playing Field für die Industrie. Angesichts der teilweise sehr hohen CO₂-Vermeidungskosten der Schlüsseltechnologien wäre ein sehr hoher Mindestpreis im EU-ETS notwendig, der über die Zeit verlässlich ansteigt, um Unternehmen die Sicherheit zu geben, dass ihre Investitionen nicht entwertet werden. Für ein gutes Funktionieren dieses Instruments und zur akkuraten Berechnung des Grenzaus­ 14

STUDIE | Klimaneutrale Industrie – Zusammenfassung Zwei verschiedene Optionen für einen möglichen klima- und industriepolitischen Rahmen Abbildung ES.5 Option 1: CO 2 -Preis only Option 2: Policy-Mix € Externe Kosten internalisieren hoher EU-ETS Preis + kostenlose Zuteilung € Externe Kosten internalisieren moderater EU-ETS Preis + kostenlose Zuteilung CO 2 -Preis auf Endprodukte Klima-Umlage auf Endprodukte Finanziell unterstützen Carbon Contract for Difference (CfD) grüne Finanzierungsinstrumente € Absatzmärkte sichern Quote für grünen Wasserstoff Quote für CO 2 -arme Materialien nachhaltige öffentliche Beschaffung Circular Economy Standards Änderungen von Bau- & Produktnormen Standards für recycelbare Produkte Agora Energiewende, 2019 gleichs ist es allerdings notwendig, den spezifischen CO₂-Gehalt von Materialien und Endprodukten transparent zu erfassen und zu validieren. Dabei stellen sich eine Reihe methodischer Fragen, die das System fundamental beeinflussen: Ist etwa bei der Bewertung des Stroms für die industrielle Produktion der Strommix des jeweiligen Landes bei der Bewertung der Emissionen zu unterstellen – oder ist es als energieintensives Unternehmen auch möglich, mit Renewables Certificates oder Herkunftsnachweisen den eingekauften Strom als CO₂-frei zu deklarieren? Der Unterschied wäre etwa für Länder mit hohem Kohlestromanteil zentral. Zudem bestehen Fragen zur angemessenen CO₂-Bepreisung beim Grenzübertritt von Produkten aus Industrieländern einerseits sowie Produkten aus Entwicklungsländern andererseits. Das Instrument könnte für protektionistische Spezialinteressen missbraucht werden. Wahrscheinlich ist deshalb, dass Handelspartner ein CO₂-Grenzausgleichsregime als Handelshemmnis ansehen und mit Gegenmaßnahmen reagieren. Handelsrechtliche und handelspolitische Auseinandersetzungen wären deshalb vorprogrammiert. Gleichwohl spielt das Instrument in der Diskussion eine Rolle, weil es von wichtigen Akteuren (unter anderem der französischen Regierung) favorisiert wird. Die neue EU-Kommission wird die Machbarkeit eines CO₂-bezogenen Grenzausgleichsregimes untersuchen. Option II: Policy-Mix Der Ansatz des Policy-Mix kombiniert verschiedene Instrumente und setzt jeweils auf den unterschiedlichen wirtschaftlich-technologischen Ebenen der Wertschöpfungskette an: upstream (sicherer Zugang zu Energie und Rohstoffen zu wettbewerbsfähigen Preisen), midstream (Anreize und direkte Förderung für die Änderung von Produktionsverfahren) und downstream (Schaffung sicherer Absatzmärkte und ordnungsrechtlicher Vorgaben). 15

  • Seite 1 und 2: Klimaneutrale Industrie Schlüsselt
  • Seite 3 und 4: Vorwort Liebe Leserin, lieber Leser
  • Seite 5 und 6: STANDORTE UND PRODUKTIONSKAPAZITÄT
  • Seite 7 und 8: Inhalt Vorwort1 Roadmap für eine n
  • Seite 9 und 10: Teil F: CO 2 -arme Schlüsseltechno
  • Seite 11 und 12: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 13 und 14: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 15: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 19 und 20: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 21 und 22: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 23 und 24: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 25 und 26: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 27 und 28: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 29 und 30: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 31 und 32: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 33 und 34: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 35 und 36: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 37 und 38: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 39 und 40: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 41 und 42: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 43 und 44: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 45 und 46: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 47 und 48: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 49 und 50: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 51 und 52: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 53 und 54: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 55 und 56: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 57 und 58: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 59 und 60: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 61 und 62: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 63 und 64: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 65 und 66: STUDIE | Klimaneutrale Industrie -
  • Seite 67 und 68:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 69 und 70:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 71 und 72:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 73 und 74:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 75 und 76:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 77 und 78:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 79 und 80:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 81 und 82:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 83 und 84:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 85 und 86:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 87 und 88:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 89 und 90:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 91 und 92:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 93 und 94:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 95 und 96:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 97 und 98:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 99 und 100:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 101 und 102:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 103 und 104:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 105 und 106:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 107 und 108:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 109 und 110:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 111 und 112:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 113 und 114:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 115 und 116:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 117 und 118:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 119 und 120:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 121 und 122:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 123 und 124:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 125 und 126:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 127 und 128:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 129 und 130:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 131 und 132:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 133 und 134:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 135 und 136:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 137 und 138:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 139 und 140:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 141 und 142:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 143 und 144:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 145 und 146:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 147 und 148:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 149 und 150:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 151 und 152:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 153 und 154:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 155 und 156:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 157 und 158:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 159 und 160:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 161 und 162:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 163 und 164:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 165 und 166:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 167 und 168:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 169 und 170:

    Stahl Technologie Direktreduktion m

  • Seite 171 und 172:

    Stahl Technologie Eisenelektrolyse

  • Seite 173 und 174:

    Stahl Technologie HIsarna® mit CCS

  • Seite 175 und 176:

    Stahl Technologie CCU von Hüttenga

  • Seite 177 und 178:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 179 und 180:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 181 und 182:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 183 und 184:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 185 und 186:

    Chemie Technologie Dampf aus Power-

  • Seite 187 und 188:

    Chemie Technologie KWK-Anlagen mit

  • Seite 189 und 190:

    Chemie Technologie grüner Wasserst

  • Seite 191 und 192:

    Chemie Technologie Methanol-to-Olef

  • Seite 193 und 194:

    Chemie Technologie Chemisches Recyc

  • Seite 195 und 196:

    Chemie Technologie Elektrisch behei

  • Seite 197 und 198:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 199 und 200:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 201 und 202:

    Stahl sind unterschiedliche Betrach

  • Seite 203 und 204:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 205 und 206:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 207 und 208:

    Zement Technologie CO 2 -Abscheidun

  • Seite 209 und 210:

    Zement Technologie CO 2 -Abscheidun

  • Seite 211 und 212:

    Zement Technologie Ersetzen von kon

  • Seite 213 und 214:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie -

  • Seite 215 und 216:

    Literaturverzeichnis acatech. (2017

  • Seite 217 und 218:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie Ba

  • Seite 219 und 220:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie Ca

  • Seite 221 und 222:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie En

  • Seite 223 und 224:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie Gi

  • Seite 225 und 226:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie K

  • Seite 227 und 228:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie Po

  • Seite 229 und 230:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie Th

  • Seite 231 und 232:

    STUDIE | Klimaneutrale Industrie 22

  • Seite 233 und 234:

    Publikationen von Agora Energiewend

  • Seite 236:

    164/04-S-2019/DE Wie gelingt uns di

Hier finden Sie Fachpublikationen und Unternehmensbroschüren