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Black Swans (Risiken) in der Energiewende

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Die Energiewende hat eine hohe Bedeutung für eine verlässliche Energieversorgung und eine stabile gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Vor diesem Hintergrund war es das Ziel des Vorhabens, in einer Risikoanalyse Ereignisse zu identifizieren, deren Eintritt zwar unwahrscheinlich ist, die aber im Eintrittsfall die weitere Entwicklung der Energiewende negativ beeinflussen könnten. Ergänzend sollten geeignete politische Reaktions- und Vorsorgemöglichkeiten beschrieben werden. Gutachter waren die Prognos AG, das Energiewirtschaftliche Institut (EWI) und die Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS). Sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Entwicklung der Energiewende gegenüber potenziellen Risiken weitgehend robust ist und unerwartete Störungen in der Regel gut aufgefangen werden könnten. Es wird empfohlen, mögliche Risiken bei der Weiterentwicklung von Strategien und Zielsetzungen mitzudenken. Neue Instrumente zur Risikovorsorge sind nur bedingt notwendig.

Das Schadensausmaß wird

Das Schadensausmaß wird im Konzept der Schwarzen Schwäne als „enorme Auswirkungen“ verstanden. Für die vorliegende Studie ist dabei nicht eine quantifizierte oder quantifizerbare Auswirkung als Schadenshöhe zu verstehen. Vielmehr steht im Mittelpunkt der Aufgabenstellung die Frage, ob diese Schwarzen Schwäne Auswirkungen bzw. welche Auswirkungen sie auf die Energiewende haben können. Neben Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensausmaß lassen sich weitere Kriterien benennen, die für die Bewertung von Risiken genutzt werden können. Im Jahresgutachten 1998 des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung zu globalen Umweltveränderungen (WBGU 1998: 55 mwN) werden beispielsweise folgende Kriterien aufgeführt: • Abschätzungssicherheit, d.h. die Ungewissheit über die Wahrscheinlichkeitsverteilung von potenziellen Schäden • Ubiquität, d.h. die geografische Ausdehnung des potenziellen Schadens • Persistenz, d.h. die zeitliche Ausdehnung der potenziellen Schäden • Reversibilität bzw. Irreversibilität, d.h. die Möglichkeit, den Ausgangszustand (nicht) wieder herzustellen • Verzögerungswirkung, d.h. die Zeitspanne zwischen Auslösung des Ereignisses und der tatsächlichen Auswirkung des potenziellen Schadens • Soziales Konflikt- und Mobilisierungspotenzial, d.h. die mögliche Verweigerung der Akzeptanz durch und in der Gesellschaft. Vor dem Hintergrund der Aufgabenstellung und des Konzept der Schwarzen Schwäne stellt der Einfluss des Ereigniseintritts auf die Stabilität der Rahmenbedingungen das wichtigste Bewertungskriterium für die Auswahl dar. Dabei wird der Einfluss als „Betroffenheit“ im Sinne von „Empfindlichkeit gegenüber einem Einfluss“ verstanden. Es handelt sich daher nicht um die Einschätzung einer Schadenshöhe, sondern um die Frage nach dem Einfluss auf die Rahmenbedingungen.Damit bleibt noch immer offen, ob es sich nicht auch um positive Einflüsse handeln kann, also die Energiewende und ihre Ziele durch das Ereignis unterstützt werden. Grundsätzlich ist damit aber immer die Nähe zum bekannten Risiko-Bestimmungsfaktor „Schaden“ gegeben, ohne diesen schon zum Auswahlzeitpunkt quantifizieren zu müssen. Dieses Kriterium ist aus den Hypothesen sowie der Definition der Schwarzen Schwäne direkt abgeleitet: Die überraschend und unerwartet auftretenden Ereignisse des jeweiligen Cluster haben erhebliche 15

Auswirkungen auf die Stabilität der Rahmenbedingungen der Energiewende und damit auf deren erfolgreiche Umsetzung. Das Kriterium „Betroffenheit“ hat daher bei der kriteriengestützten Auswahl eine zentrale Bedeutung, da die Ausgangshypothesen damit abgedeckt werden können. Zudem ist das Kriterium vergleichsweise einfach zu operationalisieren. Die folgende Tabelle gibt einen kurzen Überblick und schätzt die Eignung und Operationalisierbarkeit der weiteren, oben angeführten Kriterien für die vorliegende Studie ab: Tabelle 2-1: Mögliche Kriterien für die Auswahl der vertieft zu bearbeitenden Schwarzen Schwäne Definition Schwarzer Schwan Sonstige häufig genutzte Kriterien Kriterium Anmerkung Geeignet für Auswahl? Eintrittswahrscheinlichkeit Betroffenheit nachträgliche Rationalisierung „unerwartet und überraschend“ „enorme Auswirkungen auf Rahmenbedingungen“ Detailwissen notwendig? vorläufige Einschätzung möglich? ja gering ja, Vorauswahl durch Aufnahme in die Urliste ja gering ja, durch wissensbasierte Einschätzung deskriptiv nein -- -- Abschätzungssicherheit Teil von „Betroffenheit“ ja mittel ja, implizit Ubiquität Teil von „Betroffenheit“ ja gering ja, implizit Persistenz Abhängig von Bewältigungsfähigkeit ja hoch nein Verzögerungswirkung -- ja gering ja Reversibilität Abhängig von Bewältigungsfähigkeit ja mittel ja Die Kriterien „Abschätzungssicherheit“ und „Ubiquität“ werden implizit mit der Aussage zur „Betroffenheit“ der Rahmenbedingungen für die Energiewende abgeschätzt. Eine darüber hinausgehende qualifizierte Aussage zu beiden Kriterien ist im derzeitigen Projektstadium nur schwer möglich und setzt mehr Detailwissen voraus. Damit bleiben drei weitere, häufig genutzte Kriterien übrig, zwei davon mit zeitlichem Hintergrund („Persistenz“ und „Verzögerungswirkung“). Die Persistenz oder zeitliche Dauer der Schäden (Dauer des Schadenszustandes) steht im Zusammenhang mit der Bewältigungsfähigkeit des Systems (Anpassungsfähigkeit, Coping, Resilienz) und bedarf daher für eine Einschätzung weiterer Informationen. Die Verzögerungswirkung, d.h. die Zeitspanne zwischen Auslösung des Ereignisses und dem tatsächlichen Wirkungs- /Schadenseintritt ist stärker an das Risiko rückgebunden und lässt sich auch als Vorannahme ohne genauere Detailkenntnisse der Wirkungsketten einschätzen. 16

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