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BWE-Positionspapier Massnahmenplan Weiterbetrieb von Windenergieanlagen nach 20 Jahren

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Wo die überarbeitete Konzentrationsflächenplanung es nicht möglich macht, in ein Repowering einzusteigen, ist der Weiterbetrieb von Windenergieanlagen nach dem Ende der EEG-Vergütung anzustreben und energiewirtschaftlich geboten. Gelingt dies nicht, besteht die Gefahr, dass es in Deutschland in den Jahren 2021ff. zu einem negativen Zubau von Windenergieleistung kommt. ©BWE e.V.

Stromversorgung

Stromversorgung angemessen bewerten, bleiben für Betreiber von Bestandsanlagen mit mehr als 20 Jahren Lebensdauer schwer realisierbar. Der BWE schlägt daher beispielhaft vor, dass ab dem 01.01.2021 für alle Windenergieanlagen, die aus der EEG-Vergütung fallen, parallel zur CO 2-Bepreisung in den Bereichen Strom und Wärme für die verbleibende Lebensdauer eine positive CO 2-Bepreisung (als Kompensation für die CO 2-Vermeidung) für die Stromerzeugung aus Weiterbetriebsanlagen eingeführt wird. Die CO 2-Komponente könnte sich an CO 2- Vermeidungskosten von 60 €/ t CO 2 orientieren. Der im Klimaschutzgesetz für das jeweilige Jahr festgelegte CO 2-Preis könnte jeweils abgezogen werden und die verbleibende CO 2-Komponente aus den Einnahmen der Bepreisung der fossilen Brenn- und Kraftstoffe pauschal pro vermiedener Tonne CO 2 an die Betreiber der weiterbetriebenen Bestandsanlagen ausgezahlt werden. Bei einer angenommenen CO 2-Vermeidung von 400g/kWh könnte im Jahr 2021 bei einer CO 2-Komponente von 60 €/t CO 2 ein positiver CO 2-Preis von bis zu 2,5 Cent/kWh zusätzlich zum Marktwert des Stroms aus den Windenergieanlagen ausgezahlt werden. Die Anerkennung der CO 2-Freiheit der Strommengen aus Bestandsanlagen durch die Bereitstellung von handelbaren CO 2-Zertifikaten an die Betreiber würde ihre Markerlöse flankieren und den energiewirtschaftlich wichtigen Weiterbetrieb erleichtern. 3. Eine Reform des Systems der Steuern, Abgaben und Umlagen ist überfällig und könnte auch die Erlössituation von Anlagen im Weiterbetrieb verbessern. Die hohen und starren regulatorischen Strompreisbestandteile wirken heute als Blockade bei der Umsetzung von Sektorenkopplungsprojekten, dezentralen Stromversorgungskonzepten und bei der Flexibilisierung des Energiesystems. Preissignale am Strommarkt können in der Regel nicht genutzt werden und verpuffen. In diesem Zusammenhang gilt es zu prüfen, inwiefern eine Flexibilisierung der Entgelte und Umlagen dazu beitragen kann, dass sich Erzeugung und Verbrauch stärker synchronisieren. Wenn Netzentgelte und/oder EEG-Umlage durch einen Multiplikator an den Großhandelspreis der Strombörse EPEX Spot gekoppelt würden – diese also bei hohem EE-Angebot sinken und bei niedrigem EE-Angebot steigen – wirkt sich dies unmittelbar auf die Nachfrageseite aus. Im Ergebnis steigt die Nachfrage, wenn günstiger grüner Strom verfügbar ist, was zugleich die Netze entlastet. Dies stabilisiert den Marktwert von grünem Strom gerade dann, wenn er produziert wird, und somit auch die Erlöse für die Bestandsanlagenbetreiber. 4. Um Strom aus Bestandsanlagen zukünftig vermehrt im Rahmen der Sektorenkopplung vermarkten zu können, ist zudem die Beseitigung finanzieller und rechtlicher Hemmnisse erforderlich. Dazu gehört u.a. Strom aus Windenergieanlagen, der vor dem Netzeinspeisepunkt in PtX-Anlagen oder Speichern umgewandelt oder zwischengespeichert wird, von Steuern, Abgaben und Umlagen zu entlasten. Eine solche Entlastung kann durch die Flexibilisierung der Entgelte und Umlagen zusätzlich unterstützt werden. Sinnvoll ist es auch, Bestandsanlagen in der Wasserstoffstrategie des Bundes zu integrieren. 5. Die grüne Eigenschaft des Windstroms muss auf Basis von Echtzeitdaten vom Erzeuger bis zum Letztverbraucher nachgewiesen werden können, damit diese für Unternehmen im Rahmen ihrer Dekarbonisierungsstrategie nutzbar gemacht werden kann. Erst dann lohnt es sich für Industriebetriebe und andere Abnehmer, im großen Maßstab Stromlieferverträge mit Windparks abzuschließen. Direktvermarktungsverträge mit Industrie- und anderen Großkunden büßen derzeit dadurch an Attraktivität ein, weil eine Weitergabe der Grünstromeigenschaft über das öffentliche Netz im Rahmen der sonstigen Direktvermarktung nicht möglich ist. Nur physikalisch, also über Direktleitungen bezogene, grüne Strommengen können von Unternehmen auf dem weiteren Verwertungspfad genutzt werden, so z. B. für die Verbesserung ihrer CO 2-Bilanz oder zur Erfüllung von Quotenverpflichtungen. Herkunftsnachweise 8

erfüllen derzeit lediglich einen informatorischen Zweck und werden vom Gesetzgeber nicht weiter privilegiert behandelt. Eine Weiterentwicklung der Herkunftsnachweise unter Einbeziehung des Aspekts der bilanziellen Echtzeit ist daher dringend erforderlich. Herkunftsnachweise würden so einen angemessenen Wert erhalten. Für 20+-Anlagen bietet die durchgängige und lückenlose Bilanzierung der Zeitgleichheit von Erzeugung und Verbrauch in einem sortenreinen Bilanzkreis neue werthaltige Vermarktungsoptionen und somit zusätzliche Erlösquellen. Einen geeigneten Rechtsrahmen für die Weitergabe der Grünstromeigenschaft über das öffentliche Netz bietet das vom Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM) für den BWE entwickelte „Marktentwicklungsmodell“ 13 . Der dort vorgeschlagene Rechtsrahmen ermöglicht nicht nur EEG- Anlagen im Marktprämiensystem, sondern ebnet auch 20+-Anlagen den Weg in den Markt und ermöglicht die Weitergabe der grünen Eigenschaft des Stroms. Die ökonomische Bewertung des Modells zeigt, dass dieses den EE-Anlagenbetreibern u.a. eine Möglichkeit zur Produktdifferenzierung bietet. 14 6. Durch eine Streichung oder zumindest großräumige Definition des Begriffs der unmittelbaren räumlichen Nähe ließen sich Direktleitungen auch über größere Distanzen wirtschaftlich darstellen und realisieren, was die regionale Vermarktung von Windstrom aus Windenergieanlagen im Weiterbetrieb erleichtern würde. Zwar ließe sich bei einer Direktlieferung über eine eigene Leitung die hohe Abgabenlast reduzieren, da Netzentgelte und bei Anlagen bis zu einer Größe von 2 MW auch die Stromsteuer wegfallen. Allerdings muss dazu aktuell eine unmittelbare räumliche Nähe zwischen Windenergieanlage und Verbraucher vorhanden sein und es dürfen „Hindernissen“ wie etwa Straßen oder Flüssen nicht geschnitten werden. 7. Weitere Möglichkeiten zur Verbesserung der Erlössituation unter Anerkennung der zentralen Rolle von Windenergieanlagen im Weiterbetrieb für die Energiewende und den Klimaschutz: Auch wenn inzwischen eine Verordnung für die Innovationsausschreibungen beschlossen ist, sollte die Innovationsausschreibung dahingehend noch einmal geändert werden, dass sie für Bestandanlagen neue Chancen eröffnet. Der BWE schlägt daher vor, dass Bestandsanlagen ohne EEG-Vergütung die Möglichkeit erhalten, sich im Rahmen der Innovationsausschreibungen um eine zehnjährige Förderung innerhalb innovativer Konzepte der Sektorenkopplung und Industrieversorgung zu bewerben. Für Windenergieanlagen im Weiterbetrieb muss für diesen Zweck eine eigene Teilmenge, das heißt ein gesonderter Topf, zusätzlich zum bisherigen Ausschreibungsvolumen vorgesehen werden. 15 8. Um zu verhindern, dass durch die Corona-Folgen auf dem Strommarkt viele Bestandsanlagen vom Markt gehen müssen, schlägt der BWE als kurzfristige Sofortmaßnahme vor, für Anlagen mit Inbetriebnahme bis einschließlich 2000 einen anzulegenden Wert (AW) für die nächsten 2-3 Jahre festzulegen. Der festzulegende AW soll kostenorientiert bestimmt werden und sich an den Werten orientieren, die die Fachagentur Windenergie an Land in ihrer Studie „Was tun nach 20 Jahren“ erarbeitet hat. 16 Dabei soll ein 13 IKEM (2018): Direkte Vermarktung von Windstrom und anderem erneuerbaren Strom im B2B-Bereich, https://www.windenergie.de/fileadmin/redaktion/dokumente/publikationen-oeffentlich/themen/03- sektorenkopplung/20180417_ikem_studie_marktentwicklungsmodell_und_kurzgutachten_vereinbarkeit.pdf. 14 EWI (2018): Ökonomische Bewertung des Marktentwicklungsmodells, https://www.ewi.uni-koeln.de/cms/wpcontent/uploads/2018/09/%C3%96konomische_Bewertung_des_Marktentwicklungsmodells_ewiERS.pdf. 15 BWE (2019): Wind-to-Gas. Maßnahmen für den Marktanlauf, https://www.windenergie.de/fileadmin/redaktion/dokumente/publikationen-oeffentlich/themen/03- sektorenkopplung/20191108_BWE_Positionspapier_Wind-to-Gas_layout.pdf. 16 Fachagentur Windenergie an Land (2018): Was tun mit Windenergieanlagen nach 20 Jahren? Repowering, Weiterbetrieb oder Stilllegung von Windenergieanlagen nach Förderende, https://www.fachagenturwindenergie.de/fileadmin/files/Veroeffentlichungen/FA_Wind_Was_tun_mit_WEA_nach_20Jahren.pdf. 9

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