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BWE-Positionspapier Wind-to-Gas: Maßnahmen für den Marktanlauf

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In dem Positionspapier „Wind-to-Gas“ hat der BWE dargelegt, wie Windenergie eine Schlüsselrolle bei der Sektorenkopplung und Herstellung von Wasserstoff einnehmen kann.

1. Einleitung Ziel des

1. Einleitung Ziel des BWE ist ein auf 100 Prozent Erneuerbare Energien basierendes Energiesystem. Dafür müssen die Sektoren miteinander gekoppelt werden, um mit Strom aus Wind- und Solarenergie die noch überwiegend auf konventionellen Energien basierenden Sektoren Wärme, Mobilität sowie die Industrie zu dekarbonisieren. Power-to-Gas (PtG) ist eine der Schlüsseltechnologien, die sich eignet, um Windstrom in größerem Maßstab in anderen Sektoren zu nutzen. Das mit Hilfe von Elektrolyseuren hergestellte „grüne Gas“ (Wasserstoff oder weiterverarbeitet zu synthetischem Methan) lässt sich problemlos und effizient längerfristig und in großen Mengen speichern und auch über lange Strecken transportieren. Grüne Gase können dabei insbesondere in den Anwendungen zum Einsatz kommen, in denen die direkte Stromverwendung technisch schwierig, weniger effizient und volkswirtschaftlich teurer ist, also z. B. beim Schwerlast-, Schiffs- und Flugverkehr. Auch die Industrie wird in großem Maßstab auf den Einsatz erneuerbarer Gase angewiesen sein. Die Technik für die PtG-Prozesse steht zur Verfügung, Transport- und Speicherkapazitäten sind vorhanden und die Industrieunternehmen wollen investieren. Viele Akteure auch aus der Windenergiebranche sind bereit und willens, Investitionen zu tätigen, um den nächsten Schritt einer integrierten Energiewende zu gehen. Insbesondere für von Abregelungen betroffene Anlagen oder Anlagen ohne EEG-Vergütung kann die Technologie eine interessante und systemdienliche Erlösoption darstellen. Dabei hat die PtG-Technologie den entscheidenden Vorteil, dass die Produktion genau in den Regionen stattfinden kann, in denen heute Strom aus Windenergie aufgrund von Netzengpässen ungenutzt bleibt. Die Speicherung und der Verbrauch hingegen erfolgen an den Orten und zu den Zeitpunkten, wo diese sinnvoll sind. Hierfür können oft bestehende Infrastrukturen und Anlagen (Gasnetz, Gasspeicher, Gasverbraucher) genutzt werden. Der Aufbau der PtG-Strukturen, insbesondere von Anlagen zur Produktion von erneuerbaren Gasen, muss heute beginnen, um den Bedarf in Zukunft decken zu können. Ein starker Heimatmarkt, der diese Technologien selbst nachfragt, ist außerdem eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg deutscher Hersteller von PtG-Technologie, die heute zur Weltspitze gehören. Exportchancen können genutzt und Wertschöpfung vor Ort generiert werden. Auch wenn davon auszugehen ist, dass ein großer Teil des zukünftigen Bedarfs an grünen Gasen aus dem Ausland stammt, wächst durch die heimische PtG-Produktion die Unabhängigkeit Deutschlands von Energieimporten. Die Bereitstellung eines geeigneten Marktrahmens für die Entwicklung der PtG-Technologie ist also auch industriepolitisch von Bedeutung. Es bestehen jedoch noch erhebliche Hemmnisse für den Marktanlauf, die sich aus einem Mix von zu hohen Strombezugskosten, untauglichen Begünstigungen, schwacher Nachfrage, überalterten Normen und unklarer Genehmigungslage zusammensetzen. Der aktuelle Förderrahmen bestehend aus einer Reihe von Einzelmaßnahmen und zögerlichen Begünstigungen entspricht vielmehr einem Flickenteppich als einer klaren Markteinführungsstrategie. Ziel muss ein energierechtlicher Rahmen sein, in dem PtX-Anlagen entsprechend ihrer zentralen Rolle in der Energiewende so behandelt werden, dass sie ihre netz- und systemdienliche Funktion voll entfalten können. Dazu gehören neben einer einheitlichen energierechtlichen Definition von Energiespeichern, eine grundlegende Reform des Steuern- und Umlagesystems und die wirksame Bepreisung von klimaschädlichem CO 2. Kurzfristig braucht es zudem eines Förderrahmens, der den Markanlauf der PtG-Technologie beschleunigt. Im Rahmen eines geeigneten Förderprogramms ließen sich durch Skalierungseffekte die Wirkungsgrade der Elektrolyseure weiter verbessern, Produktionskosten zu senken und die Technologie für 4

den Ausbau im GW-Maßstab fit gemacht werden, der nach 2025 einsetzen muss. All dies wird aber nur funktionieren, wenn dem zusätzlichen EE-Strombedarf durch Sektorenkopplungstechnologien Rechnung getragen wird und der Ausbau der Windenergie massiv beschleunigt wird. Mit dem Nationalen Innovationsprogramm für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologien der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologien (NOW) besteht ein möglicher Rahmen für die Umsetzung weiterer effizienter Maßnahmen für den Marktanlauf von P2X-Technologien. Diesen gilt es zu nutzen und/ oder zu erweitern. Im Folgenden werden die Haupthemmnisse für Power-to-Gas-Projekte im gegenwärtigen Energiesystem dargestellt und Maßnahmen vorgeschlagen, die den Marktanlauf beschleunigen können. Diese Maßnahmen sind ein Baustein auf dem Weg zu einem neuen, flexibilisierten Energiemarktdesign, in dessen Mittelpunkt die Erzeugung und sektorenübergreifende Nutzung von Strom aus Erneuerbaren Energien steht. 2. Hemmnisse überwindenMarktanlauf starten 2.1. Existierende Maßnahmen rechtssicher und praxistauglich überarbeiten Die Umwandlung von Strom in einen anderen Energieträger gilt energierechtlich als Letztverbrauch. Somit unterliegt der Bezugsstrom für Power-to-Gas-Anlagen bisher prinzipiell sämtlichen Regelungen zu Steuern, Abgaben und Umlagen mit den entsprechend einhergehenden hohen finanziellen Belastungen. In Abhängigkeit der Betriebsweise und der gewählten Elektrolysetechnologie machen die Strombezugskosten bei voller Abgabenlast etwa 65 Prozent der gesamten Produktionskosten 1 aus. Die Höhe der Strombezugskosten ist daher die entscheidende Einflussgröße, wenn es um die Wirtschaftlichkeit eines Projekts und Wettbewerbsfähigkeit des Endprodukts geht. Änderungen bei den Strompreisbestandteilen wirken sich also unmittelbar auf die Wirtschaftlichkeit von PtG-Anlagen aus. Existierende Sonderregelungen sollen die Abgabenlast senken, sind in der Praxis aber häufig untauglich, da man in allen Fällen auf rechtliche Unklarheiten bzw. Überregulierungen stößt. Sie ermöglichen die Umsetzung vereinzelter Projekte, reichen aber nicht aus, um grüne Gase in die Wettbewerbsfähigkeit zu führen und den gewünschten Marktanlauf auszulösen. Damit sie ihre (begrenzte) Wirkung entfalten können, sind sie zu überarbeiten. 2.2. Befreiungen bei Strombezug über das öffentliche Netz Prinzipiell gilt, dass der Bezugsstrom von PtG-Anlagen nach überwiegender Auffassung von den reinen Netznutzungsentgelten befreit (§ 118 Abs. 6 EnWG) sein muss. Erst kürzlich wurde eine gesetzliche Regelung rückgängig gemacht, die diese Rechtsauslegung beenden sollte. Die genaue Reichweite der aktuellen Regelung und die im Einzelnen geltenden Voraussetzungen für diese Befreiung bleiben damit allerdings 1 Energy Brainpool GmbH & Co. KG (2018), AUF DEM WEG IN DIE WETTBEWERBSFÄHIGKEIT: ELEKTROLYSEGASE ERNEUERBAREN URSPRUNGS, Berlin 5

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