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Corporate Green PPAs - Ökonomische Analyse

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Für die Berechnung

Für die Berechnung unserer Fallbeispiele verwenden wir ein moderates und daher reales Strompreisszenario Abbildung 7: Prognostizierte durchschnittliche Großhandelspreise in drei Aurora-Szenarien (Low, Central und High) in EUR/MWh (real 2018) 4.1 Künftige Strompreisentwicklung Die künftige Strompreisentwicklung macht den Großteil des Werts eines PPA aus (in Abbildung 6 als a bezeichnet). Aufgrund des variablen Charakters der erneuerbaren Energien entspricht der Endpreis eines PPA jedoch nicht dem erwarteten Grundlastpreis für Strom über die Dauer des PPA, sondern wird reduziert, um dem Marktwert der intermittierenden Stromproduktion Rechnung zu tragen. Die Höhe dieses Abschlags hängt wesentlich vom jeweiligen Erzeugungsprofil der Anlage sowie von kurzfristigen Prognosefehlern zwischen Day-Ahead-Markt und Endlieferung ab. Zugrunde liegende Marktpreise Etwaige Studien prognostizieren in Zukunft steigende Strompreise, was letztlich eine elementare Rolle in der Wertkomponente eines PPA spielt. Dies ist ein zentraler Anlass vieler Unternehmer, sich überhaupt erst mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Für die Analyse und Berechnung der Fallbeispiele im folgenden Kapitel ziehen wir die Großhandels-Strompreisszenarien der Aurora Energy Research (Abbildung 7) heran. Zur Berechnung des Werts im Risiko und um die zukünftigen Strompreise auf dem Großhandelsmarkt zu prognostizieren, wird ein Fundamentalmodell in drei Szenarien berechnet. Hierbei werden die Haupttreiber der Strompreise mit einbezogen: Diese sind Rohstoffkosten (z. B. Kohle- und Erdgaspreise), CO 2 -Preise, regulatorische Entscheidungen und der Zubau an neuer Erzeugungskapazität. Beruhend auf den Strommarktprognosen bilden drei Szenarien (Low, Central, High) die künftige Strompreisentwicklung ab und berechnen die Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit von PPA-Verträgen. Abbildung 7 zeigt die prognostizierten durchschnittlichen Großhandelspreise zwischen 2021–2030 und 2031–2040 beruhend auf einem Low-, Central- und High-Szenario. Einfluss der Strommarktentwicklung auf Direktkosten des Stromeinkaufs Der Festpreis eines PPA richtet sich nach der Markterwartung der Vertragsparteien. Für die Berechnungen in dieser Studie haben wir hierzu das Central-Marktszenario – welches die wahrscheinlichste Entwicklung des Marktes abbilden soll – verwendet. Ein PPA legt einen festen Preis pro MWh Grünstrom fest, der damit von der weiteren Entwicklung des Strommarktes für die Laufzeit des Vertrags entkoppelt ist. Wenn sich der Marktpreis negativ entwickelt (d. h. unter die Erwartungen des Abnehmers fällt), bleiben die Kosten für den PPA-Abnehmer pro MWh konstant. Dies stellt die Übernahme des negativen Marktrisikos dar. Für einen Konkurrenten, der Graustrom mit einem ähnlichen Profil über den Strommarkt bezieht, fallen die Direktkosten des Stromeinkaufs im Verhältnis entsprechend. Bei einer positiven Entwicklung des Marktes (d. h. Marktpreise über den zugrunde liegenden Erwartungen) bietet das PPA eine Absicherung gegen steigende Preise. In diesem Fall bezahlt der Graustrom beziehende Konkurrent im Verhältnis höhere Preise. Wie in Abbildung 8 dargestellt, treffen Marktschwankungen den PPA-Abnehmer zu einem geringen Maße über den Zukauf eines komplementären Profils. Ähnliche Marktpreisabsicherungen (auch Hedges genannt) können über Future-Verträge über die Strommarktbörse bezogen werden. In den letzten Jahren hat sich ein liquider Markt für Future-Verträge über drei bis sechs Jahre gebildet. 12 Preis- und Wertkomponenten

Einfluss von Marktentwicklungen auf Stromeinkaufskosten Grauer Stromeinkauf Direktkosten Szenarien zur Strommarktentwicklung Grünstrom via PPA- Direktkosten High Central Low Stromeinkauf Komplementäres PPA-Profil PPA-Festpreis AER Template 2018 Abbildung 8: Einfluss von Marktentwicklungen auf Direktkosten des Stromeinkaufs CONFIDENTIAL: NOT FOR EXTERNAL DISTRIBUTION 2 4.2 Anlagenprofil Das Anlagenprofil bestimmt maßgeblich, wie wertvoll der produzierte Strom ist. Speisen Anlagen besonders zu Zeiten ein, in denen der Strompreis aufgrund von Überangebot durch andere Erneuerbare-Energien-(EE-)Anlagen oder geringere Nachfrage niedrig ist, muss das Einspeiseprofil der Anlage in die Bewertung des PPA eingepreist werden. Deshalb wird der Marktwert einer Anlage von dem Grundlastpreis für Strom abgezogen. Der tatsächliche Marktwert von Solar- und Windanlagen ist in der Regel niedriger als der Grundlastpreis, da ihre Erzeugung meist mit vielen anderen Solar- oder Windanlagen korreliert und sie daher zu Zeiten geringerer Strompreise einspeisen. Gaskraftwerke, die flexibel Strom produzieren können, sind beispielsweise besonders zu Hochpreiszeiten aktiv und erreichen einen Marktwert über dem durchschnittlichen Grundlastpreis. 4.2.1 Kosten der Ausgleichsenergie Die Abweichung zwischen der vorhergesagten Stromerzeugung und der Lieferung (Prognosefehler) führt zu Ausgleichskosten auf dem Intraday-Markt sowie Mehrkosten für Regelenergie. Die Kosten dieser Fehler hängen vom Prognosefehler der Anlagenerzeugung sowie vom Preis der Ausgleichsenergie ab. Diese Kosten fallen bei jeder Anlage an. Der Stromabnehmer trägt diese entweder direkt, wenn er als Bilanzkreisverantwortlicher agiert, oder vergütet bei einem Sleeved PPA einen Energiedienstleister für die Bereitstellung der Ausgleichsenergie (dieser Dienstleister agiert hier somit ähnlich wie ein Direktvermarkter im EEG-System). 4.3 Wert des Grünstroms Die Qualität „grüner Strom“ wird abnahmeseitig immer stärker gefordert. Eine rein physikalische Belieferung mit Grünstrom über das Stromnetz ist jedoch nicht immer möglich. Daher wird diese Eigenschaft bilanziell über elektronische Herkunftsnachweise (HKN) weitergegeben. Seit 2013 sind in Deutschland HKN erforderlich, um Strom aus erneuerbaren Energien als „grün“ bezeichnen zu dürfen. Dafür muss ein HKN für die entsprechende Strommenge im Herkunftsnachweisregister des Umweltbundesamts entwertet werden, um dann europaweit gehandelt werden zu können. Dieser HKN fungiert somit als eine Art „Geburtsurkunde“ des Grünstroms. Das elektronische Dokument gibt genaue Auskunft darüber, wie und wo Strom aus erneuerbaren Energien produziert wurde, und stellt sicher, dass die „grüne Qualität“ des Stroms verkauft werden kann. Dabei ist zu beachten, dass ein HKN nur dann ausgestellt wird, wenn der erzeugte Strom nicht im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) vergütet wurde (sogenanntes „Doppelvermarktungsverbot“ nach § 80 EEG 2017). In Abbildung 6 wird der Wert des Grünstroms unter b angegeben. Diese Ausgangslage ist somit ein wesentlicher Treiber für das Interesse an Corporate Green PPAs. Während die Übertragung von HKN, d. h. der grünen Eigenschaft des Stroms, nicht zwangsläufig Teil eines PPA ist, erhöht das Einbeziehen von HKN letztlich den Preis eines PPA-Vertrags, da der Abnehmer sie theoretisch auch auf dem Markt veräußern kann. Preis- und Wertkomponenten 13

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