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Corporate Green PPAs - Ökonomische Analyse

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4.4 Risikobewertung Für

4.4 Risikobewertung Für Abnehmer und Erzeuger ergeben sich in einem PPA-Vertrag unterschiedliche Risiken, die sich je nach Vertragsausgestaltung unterscheiden (in Abbildung 6 unter c abgebildet). Die Studie geht wie in Abbildung 5 von einem PPA aus, in dem der Strompreis über 12 Jahre festgelegt ist und demgemäß der Erzeuger Strom „wie erzeugt“ liefert. Ein fester Abnahmepreis erleichtert die Finanzierung von Neubauten seitens der Erzeuger und schafft Planungssicherheit für Abnehmer, da sich Firmen nicht der Volatilität der Handelspreise an der Strombörse aussetzen. Für den Abnehmer ergeben sich jedoch in dieser Vertragsausgestaltung zweierlei Risiken: Zum einen trägt der Abnehmer das Risiko, dass die Marktpreise nach Unterzeichnung des PPA-Vertrags unter die PPA-Einkaufspreise sinken. In einem solchen Szenario zahlt der Abnehmer mehr, als im Einkauf über den Großhandelsmarkt nötig wäre. Für die Berechnung dieses potenziellen Wettbewerbsnachteils stützt sich die Studie auf ein Niedrigstrompreisszenario, um den sogenannten „Wert im Risiko“ zu berechnen. Diese Kennzahl berechnet den Wertverlust über den gesamten Vertrag, falls sich das Niedrigstrompreisszenario realisiert. Zum anderen trägt der Abnehmer das Risiko, Strommengen in ausreichendem Umfang zuzukaufen, da der Erzeuger kein festes Profil liefert, sondern lediglich die komplette Erzeugung an den Abnehmer weiterleitet. Jedoch sind auch andere rechtliche Ausgestaltungen denkbar, wie in Abschnitt 3.2.2 besprochen, in welchen der Erzeuger größere Risiken trägt. Falls der EE-Erzeuger für die Lieferung eines festen Profils – wie beispielsweise eines Grundlastprofils – zuständig wäre, müsste der Erzeuger die Differenz zwischen dem eigenen Profil und der versprochenen Menge selbst zukaufen. Um den Gesamtwert eines PPA-Vertrags zu ermitteln, verwendet die Studie ein Finanzmodell, in dem die zukünftigen Zahlungsströme abgezinst und summiert werden.5 Dieses Modell berücksichtigt den Wert der von der Anlage bereitgestellten Energie und gleicht diesen mit den festgelegten Vertragsbedingungen des PPA ab. Das Ergebnis ist eine Preisbrücke, die alle relevanten Wertkomponenten veranschaulicht, die zum Endpreis des PPA beitragen (wie in Abbildung 6 illustrativ dargestellt). ABB. 9 Die über ein PPA abgesicherten Einnahmen ermöglichen Fremdfinanzierung und senken Kapitalkosten des Projektes Illustratives Beispiel: Projektfinanzierung für Windpark mit PPA Einnahmen: Verwendung: PPA Zahlungen 1 2023 1 2024 2025 2026 Gesamteinnahmen Rendite Eigenkapital Der Darlehensgeber ist fokussiert auf die sichere Rückzahlung des Darlehens und somit auf garantierte Projekt- Cashflows 2027 2028 2029 2030 2031 2032 Schuldendienst 2033 Abgesicherte Einnahmen 2 Darlehensgröße bemessen auf Grundlage von 1) 1 und der Risikobewertung (inklusive Windstudie, Gegenparteirisiko im PPA) 2034 2035 2036 3 2037 2038 O&M Kosten Risikopuffer basiert auf Bewertung der Unsicherheiten (debt service coverage ratio) 2039 2040 2041 2042 2043 Fremdkapital reduziert Kapitalkosten des Projektes Fremdkapital Eigenkapital 48% X 3% 52% X 11% Führt zu niedrigeren Gestehungskosten (LCOE) 7.2% Anteil an Fremdkapital reduziert durchschnittliche Finanzierungskosten Erhöht die Rendite des Entwicklers/Eigentümers (Eigenkapitalrendite) -> Entscheidend für RES-Ausbau AER Template 2018 1) Festpreis über 12 Jahre Abbildung 9: Beispiel Projektfinanzierung für Windpark mit PPA 3 5 Ein abgezinstes Zahlungsstrommodell (englisch: Discounted Cash-Flow Model) bezeichnet ein investitionstheoretisches Verfahren, in dem zukünftige Zahlungsströme, die aus einer Investition resultieren, abgezinst werden, um den aktuellen Kapitalwert zu ermitteln. 14 Preis- und Wertkomponenten

Projektfinanzierung Der Bau und Betrieb von Neuanlagen ohne Subvention erfordert gesicherte Zahlungsströme, um eine Fremdfinanzierung zu ermöglichen (für ein Beispiel siehe Infobox Projektfinanzierung in Abbildung 9). Für bestehende Anlagen, die ab 2021 aus der EEG-Förderung herausfallen, können PPAs die finanziellen Voraussetzungen für die Verlängerung der Anlagenlaufdauer schaffen, da der Strom nicht auf dem Großhandelsmarkt verkauft werden muss. Die Projektfinanzierung von größeren EE-Projekten wird häufig über Zweckgesellschaften, sogenannte Special Purpose Vehicles, abgewickelt. Diese ermöglichen es, einerseits den Zugriff von projektfinanzierenden Gläubigern (Fremdkapital) auf Vermögenswerte des (Eigenkapital-)Investors zu vermeiden (auch Limited-recourse-Finanzierungen genannt) und das Projekt selbst gegen Insolvenzrisiken des Investors abzuschirmen. Aufgrund der Limited-recourse-Finanzierung ist es für den Fremdkapitalgeber (etwa eine Bank) wichtig, dass die Zahlungsflüsse zum Projekt gesichert sind. In EEG-finanzierten Projekten leisten diese Absicherung die staatlichen Subventionen. Bei PPAs garantiert der Abnahmevertrag mit einem Unternehmen mit guter Bonität diesen Zahlungsfluss. Um die Rückzahlungsfähigkeit und Darlehensgröße eines Projektes zu bemessen, betrachtet der Fremdkapitalgeber die gesicherten Zahlungsflüsse (abzüglich laufender Kosten). Um Unsicherheiten im Projekt Rechnung zu tragen, werden eine Mindestproduktionsmenge und eine Art Risikopuffer (Schuldendienstdeckungsgrad oder debt service coverage ratio) mit einbezogen. Diese Projekte finanzieren sich sowohl aus Eigen- als auch Fremdkapital. Da der Eigenkapitalgeber das volle Projektrisiko trägt, hat er höhere Renditeerwartungen, was höhere Kapitalkosten zur Folge hat. Der Fremdkapitalgeber hingegen trägt nur das Risiko des Ausfalls der Darlehensrückzahlung. Daraus folgen niedrigere Kosten für Fremdkapital. In der Regel bedeutet das, dass ein höherer Anteil an Fremdkapital zu niedrigeren Finanzierungs- und somit Gestehungskosten führt. Preis- und Wertkomponenten 15

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