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Corporate Green PPAs - Ökonomische Analyse

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06 Identifizierte

06 Identifizierte Ansatzpunkte für attraktivere Rahmenbedingungen für Corporate Green PPAs Wir haben in dieser Analyse zunächst die zentralen ökonomischen Einflussgrößen herausgearbeitet, die den Wert eines PPA aus der Sicht der industriellen Letztverbraucher bestimmen. Aus dem in der ökonomischen Analyse vorgenommenen Vergleich des grünen mit dem grauen Strombezug lassen sich mit Blick auf die Optimierung des Rechtsrahmens und der Marktbedingungen weitere direkte Handlungsfelder ableiten. Insgesamt ergeben sich somit fünf Ansatzpunkte, um den nachfragegetriebenen Ausbau erneuerbarer Energien über Corporate Green PPAs zu befördern. $ Anpassung der Ablagen, Umlagen, Steuern für Letztverbraucher Insbesondere für Stromnachfrager mit einer geringeren Stromnachfrage – wie beispielsweise den Bierbrauer oder den Konsumgüterproduzenten in unserer Analyse – könnte beim großen Kostenblock „Umlagen, Netzentgelte und Steuern“ ein hohes Anreizpotenzial durch eine Neuordnung des Regelwerkes geschaffen werden. Erforderlich sind somit Maßnahmen, die eine kohärente und rechtssichere Regelung bei der Strompreiskompensation sicherstellen, um den Abschluss von PPAs nicht zu behindern. Im Ergebnis sollten hier gleiche Wettbewerbsbedingungen geschaffen werden, um die Nachfrage nach großen Mengen grünen Stroms in der energieintensiven Industrie zu fördern. Die EU-Kommission hat kürzlich einen Konsultationsprozess zur Änderung der Beihilfeleitlinien mit großer Relevanz für die Strompreiskompensation angestoßen. So könnte eine Reduzierung der EEG-Umlage oder von Netzentgelten bei Bezug von grünem Strom einen entsprechenden ökonomischen Anreiz schaffen, PPAs abzuschließen. Bereits heute bestehen hier beispielsweise im Kontext der anteiligen EEG- Umlage für den Eigenverbrauch entsprechende Sachverhalte. Auch aus Sicht der EU-Kommission ist eine Optimierung des Rechtsrahmens geboten: Die Erneuerbaren-Energien-Richtlinie (RED II) fordert die Nationalstaaten auf, einen PPA-freundlichen Rechtsrahmen zu schaffen. $ Strompreiskompensation Bei energieintensiven Unternehmen – wie Chemie- oder Aluminiumfirmen – ist die Strompreiskompensation aus ökonomischer Sicht der bedeutendste Hebel, um PPAs attraktiver zu gestalten. Sie fällt ausschließlich für Unternehmen an, die dem ETS unterliegen. Darüber hinaus stellt die in den jeweiligen Fallbeispielen dargelegte rechtliche Unsicherheit bezüglich des möglichen Weiterbezugs der Strompreiskompensation unter einem grünen PPA aus Sicht von Unternehmen ein erhebliches Risiko dar. Denn die Analyse zeigt, dass der Nachfrager von grünem Strom gegenüber dem Bezug von Graustrom im Regelfall nicht besser, hinsichtlich der Großverbraucher häufig sogar schlechter gestellt wird. $ Finanzierungsfazilität und Risikoabsicherung Für die Politik ergeben sich zwei potenzielle Ansatzpunkte: die Absicherung der Ausfallrisikos für Abnehmer und die Unterstützung bei der Projektfinanzierung aufseiten des Erzeugers. Denn im Rahmen der für die Analyse durchgeführten Befragung von Marktteilnehmern wurde deutlich, dass eine allein abnehmerfokussierte Perspektive zu kurz greift. Auch für die Anbieter der PPAs bedarf es weiterer zielgerichteter Instrumente. Neue Erneuerbare-Energien-Projekte erfordern hohe Anfangsinvestitionen. Dieses Ausfallrisiko ist in Deutschland bislang durch die Zahlung von Marktprämien, Abnahmepflicht und Einspeisevorrang abgesichert. Bei PPAs wirkt sich die Verbindung aus vergleichsweiser geringer Bonität des Anbieters und dem verbleibenden Abnahmerisiko negativ auf die Finanzierung eines Erneuerbaren Projekts am Kapitalmarkt aus. Eine Risikoübernahme durch staatliche Kreditinstitute sollte geprüft werden. Die Absicherung von Ausfallrisiken würde zusätzlich den Kreis potenzieller Abnehmer (z. B. Mittelstand) vergrößern. Letzteres übernimmt in Norwegen beispielsweise die Norwegian Export- Credit Guarantee Agency. 28 Identifizierte Ansatzpunkte für attraktivere Rahmenbedingungen für Corporate Green PPAs

Qualitätsmerkmale für Grünstrom Förderung Markttransparenz $ $ Wie dargestellt ist der Herkunftsnachweis (HKN) eine zentrale Wertkomponente eines PPA. Dabei kann derzeit auch Grau- Markt neben den Chancen auch Risiken gesehen werden. Diese Unsere Umfrage unter Branchenakteuren hat gezeigt, dass im strom über den Zukauf von HKN eine grüne Qualität zugeschrieben bekommen. Darüber hinaus wird momentan der ziellen Nachfragern als auch unter Erzeugern. Neben ungewis- führen zu einer starken Verunsicherung sowohl unter poten- Großteil der HKN ohne zeitliche und geografische Dimension sen Preiserwartungen sowie Unklarheiten bezüglich der rechtlichen Vertragsausgestaltung (siehe primäre und sekundäre gehandelt. Um die Attraktivität eines PPA-Marktes in Deutschland zu stärken, können Maßnahmen, die bei der Qualität des Vertragsklauseln Abbildung 4) bestehen erhebliche Unsicherheiten hinsichtlich der rechtlichen Rahmenbedingungen für Nachweises hinsichtlich ihrer Transparenz und Differenzierung ansetzen, einen Impuls leisten. PPAs als langfristige Stromlieferverträge. Mögliche Kriterien sind hier die genaue Herkunft eines Nachweises (z. B. aus EE-Neuanlagen einer bestimmten Technologie in Deutschland). So kann eine Brauerei die Tatsache, dass sie Grünstrom zur Produktion des Bieres einsetzt, direkt verkaufsfördernd nutzen und mit der Qualität des Stroms werben. Hinsichtlich höherer Qualitätsmerkmale stellen die Argumente der „Zusätzlichkeit“ und der „Regionalität“ aus Sicht der Abnehmer, die den Grünstrombezug stärker in der Verbraucherkommunikation nach vorne stellen wollen, einen relativ hohen Wert dar. Die derzeit handelbaren Herkunftsnachweise leisten hier einen nur eingeschränkten Mehrwert. Entsprechende Anpassungen könnten die Nachfrage auf Abnehmerseite zusätzlich steigern. Mit Blick auf die maximalen Vertragslaufzeiten aus rechtlicher Sicht gehen wir derzeit von einer maximalen Dauer von 15 Jahren aus. Unsere Expertengespräche haben jedoch gezeigt, dass auch in diesem Punkt erhebliche Unsicherheiten im Markt bestehen. Ein weiteres Beispiel ist die bereits thematisierte unklare Rechtslage bezüglich der Strompreiskompensation. Hier könnten entsprechende Entscheidungen das Vertrauen in den Markt stärken. Vertragliche Standardisierungen können zudem die Transaktionskosten für einzelne Abschlüsse im Markt senken und so die Beschaffung über PPAs attraktiver gestalten. Mit steigender Marktentwicklung nimmt dabei auch die Preistransparenz zu. Im B2B-Bereich nimmt dabei die Zertifizierung ganzer Wertschöpfungsketten für einzelne Produkte perspektivisch einen immer höheren Stellenwert ein und könnte zukünftig auch die Beschaffenheit von Vorprodukten miteinschließen. Technische Lösungen, die die Gleichzeitigkeit von Produktion und Verbrauch ermöglichen, werden zudem ebenfalls eine zukünftig wichtige Rolle spielen. Sie stellen sicher, dass Strom aus einer bestimmten Erzeugungsanlage zum Zuge kommt. Abbildung 20: Handlungsfelder zur Steigerung der Attraktivität von PPAs in Deutschland Förderung der Markttransparenz Steigerung der Attraktivität von PPAs Transparenz und Standardisierung von Grünstrom Anpassung der Abgaben, Umlagen, Steuern für Letztverbraucher Strompreiskompensation Finanzierungsfazilität und Risikoabsicherung Identifizierte Ansatzpunkte für attraktivere Rahmenbedingungen für Corporate Green PPAs 29

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