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Corporate Green PPAs - Ökonomische Analyse

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03 Grundlagen Mit den

03 Grundlagen Mit den sinkenden Gestehungskosten erneuerbarer Energien hat die Diskussion um die zukünftige Bedeutung von direkten Stromlieferverträgen zwischen Erzeugern und Anbietern für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien auch in Deutschland zugenommen. Auch wenn langfris- tige Stromlieferverträge sowohl für nachfragende Unternehmen als auch Anbieter bzw. Erzeuger zum täglichen Geschäft gehören, ergibt sich bei Corporate Green PPAs als einer weiteren Säule für die Finanzierung von Neuanlagen ein anderes Bild: Obwohl viele Marktakteure diesem Geschäftsmodell generell ein hohes Potenzial beimessen, klaffen die Einschätzungen beim Thema Risikobewertung unter Marktteilnehmern noch stark auseinander. 3.1 Corporate Green PPAs: Perspektiven in Deutschland Neben der unklaren Risikoverteilung zwischen Abnehmer und Erzeuger sind es vor allem die fehlende Preistransparenz und unklare Rahmenbedingungen, die insbesondere Abnehmer verunsichern. Aus Sicht der abnehmenden Unternehmen ermöglichen PPAs auf der anderen Seite, sich gegen volatile Energiepreise abzusichern. Vor dem Hintergrund der stark gesunkenen Gestehungskosten erneuerbarer Energien und perspektivisch steigender Strompreise wird der grüne Strombezug zunehmend attraktiv. Für Erzeuger bieten PPAs die Möglichkeit, außerhalb der fixen Förderung des EEG langfristige Abnahmeverträge zu Festpreisen zu schließen und über diese gesicherten Zahlungsflüsse die Finanzierung von neuen Anlagen über den Kapitalmarkt sicherzustellen. Das erhöhte Marktrisiko, dem diese Anlagen ausgesetzt sind, begründet sich insbesondere durch die Schwankungen des Großhandelspreises. Dabei steht ein im Vergleich zu anderen europäischen Nachbarstaaten noch relativ kleines tatsächliches Marktvolumen einer hohen Potenzialzuschreibung von Nachfragern und Anbietern gegenüber. Die Ergebnisse der Umfrage des Ende August 2019 veröffentlichten Marktmonitors zu Corporate Green PPAs der dena (Link) zeigen, dass über 86 Prozent aller Marktteilnehmer PPAs zukünftig eine hohe bis sehr hohe Bedeutung beimessen. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse des dena-Marktmonitors auch, dass derzeit sowohl Anbieter als auch Erzeuger trotz der möglichen Potenziale bezüglich der Ausgestaltung von Corporate Green PPAs stark verunsichert sind. Mit Blick auf das Binnenverhältnis zwischen Anbietern und Nachfragern spielen hier neben fehlenden Informationen zu Preisen insbesondere die Ausgestaltung der Verträge und die damit verbundene Risikoverteilung zwischen beiden Vertragsparteien eine zentrale Rolle. Darüber hinaus sind Marktteilnehmer verunsichert, wie sich PPAs in den aktuellen rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmen einfügen. Der Großteil der Marktteilnehmer stuft PPAs als relevant ein 3 % 11 % 31 % Kaum Relevanz Weniger wichtig Wichtig 55 % Sehr wichtig n = 128 Abbildung 1: Stellenwert, der den PPAs als zukunftsweisendem Marktmodell in Deutschland zugeschrieben wird 6 Grundlagen

Die größten Hemmnisse – Erfahrung/Komplexität/Transparenz/Risiko Wenig Erfahrung in Deutschland vorhanden 51% Komplexes Vertragswerk 47% Ungewissheit über staatliche Regulierung 42% Verlustrisiko aufgrund einseitiger Vertragsbeziehung Lange Laufzeit EE erreichen noch keine Wettbewerbsfähigkeit/zu teuer Keine Partizipation an vorteilhafter Preisentwicklung Keine staatliche Finanzierungssicherheit/Unternehmensfinanzierung 26% 23% 20% 17% 16% Eigener Energiebedarf zu gering 9% n = 128 Mehrfachnennung möglich 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% Abbildung 2: Barrieren und Risiken, die Abnehmer am PPA-Abschluss hindern Zu den zentralen Treibern des gestiegenen Interesses an diesem Geschäftsmodell zählen Einflussfaktoren auf unterschiedlichen Ebenen: Hier können PPAs den Weiterbetrieb sichern. Die ersten abgeschlossenen Verträge sowie die Ergebnisse des ersten dena- Marktmonitors unterstreichen deren hohes Marktpotenzial. Politik Die Erreichung des 65-Prozent-Ziels für erneuerbare Energien bis zum Jahr 2030 sowie die vollständige Reduktion der CO 2 - Emissionen über alle Sektoren bis zum Jahr 2050 stellen für die Politik die zentralen Zielwerte für die kommenden Jahre dar. Mit Blick auf die angestrebte CO 2 -Neutralität im Jahr 2050 und die Zukunftsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland haben unterschiedliche Studien deutlich gemacht, dass Strom aus erneuerbaren Energien zentral für die Defossilisierung der Produktionsprozesse im Industrie-, Gewerbe- und Dienstleistungssektor sein wird (vgl. u.a. Agora 2019, VCI 2019). Der Strombezug auf Basis erneuerbarer Energien wird hier eine elementare Rolle spielen müssen, sei es für die direkte Nutzung oder die Umwandlung in Energieträger wie Wasserstoff oder andere strombasierte grüne Brenn- und Kraftstoffe. Für die Politik bedeutet dies, dass sie für Unternehmen den Zugang zu regenerativ erzeugtem Strom attraktiv gestalten und eine verlässliche Perspektive bieten muss. Auch wenn der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch 2019 bei ca. 42 Prozent lag, ist die Zielerreichung von 65 Prozent am Verbrauch unter den aktuellen Rahmenbedingungen stark gefährdet. Neben einem allgemeinen Einbruch des Ausbaus der erneuerbaren Energien in den vergangenen Jahren, insbesondere im Bereich Onshore-Wind, besteht das Risiko, dass alleine eine bis 2030 bestehende regenerative Erzeugungsleistung aus dem Markt fällt (siehe Abbildung 3). Diese Anlagen können zwar weiterbetrieben werden, erhalten als Ü-20-Anlagen jedoch keine EEG-Vergütung mehr. Dies entspricht etwa einem Viertel der gesamten installierten Leistung, die die Bundesregierung im Klimaschutzprogramm für das Jahr 2030 anstrebt. Diese Ausgangslage wird durch einen perspektivisch steigenden Stromverbrauch aufgrund einer erhöhten direkten sowie indirekten sektorübergreifenden Stromnutzung verschärft. Je nach Szenariorahmen geht die dena-Leitstudie hier von einem Anstieg des Stromverbrauchs von 515 TWh in 2015 auf 699 bzw. 840 TWh in 2030 aus. Hinsichtlich der Finanzierung der Energiewende bietet ein stärkerer nachfragegetriebener Zubau möglicherweise eine Entlastung bei der EEG-Umlage, wenn sich die realisierten Projekte nicht ausschließlich auf die attraktivsten Standorte fokussieren. Die Refinanzierung des Anlagenzubaus über gesicherte privatwirtschaftliche Abnahmeverträge kann zu einer Entlastung der Differenzkosten führen. Ein verstärkt nachfragegetriebener Zubau hat auch das Potenzial, die Akzeptanz in der Bevölkerung zu steigern. Neben dem möglichen Effekt einer sinkenden EEG-Umlage bietet die direkte Nutzung erneuerbarer Energien in diesen Regionen die Möglichkeit, ihre Wettbewerbsfähigkeit als Produktionsstandort zu unterstreichen. Abnehmer Wie auch die Ergebnisse der ersten Umfrage zeigen, sind Unternehmen aufgrund perspektivisch steigender Strompreise sowie aufgrund eigener Klimaschutzverpflichtungen sehr stark an einem verstärkten Bezug von Strom aus erneuerbaren Energien interessiert. Vielfach versuchen sie bereits heute, über einen direkten grünen Strombezug das Risiko steigender Strompreise zu minimieren (Hedging) und gleichzeitig ihren CO 2 -Fußabdruck zu reduzieren. Grundlagen 7

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