Aufrufe
vor 1 Jahr

Corporate Green PPAs - Ökonomische Analyse

  • Text
  • Ppas
  • Strom
  • Abnehmer
  • Umlagen
  • Strompreiskompensation
  • Analyse
  • Steuern
  • Unternehmen
  • Graustrom
  • Erzeuger
  • Deutschland.de

Bis 2030 werden bis zu

Bis 2030 werden bis zu 52 GW aus der Vergütung Aus der herausfallen EEG-Vergütung fallende EE-Anlagen 120 100 Kumulierte installierte Leistung (GW) 80 60 40 20 0 2021 2030 2037 Sonstiges: (Wasser/Geothermie/Wind auf See/ Quelle: Bundesnetzagentur Gesamt Wind Solar Biomasse Sonstiges Deponie-, Klär- & Grubengas) Abbildung 3: Aus der EEG-Vergütung fallende Anlagen In vielen Unternehmen und Industriezweigen stehen in den kommenden zehn Jahren erhöhte Investitionen im Bereich von Produktionsanlagen an. Dabei werden gerade in Bezug auf das Ziel der Klimaneutralität der Wirtschaft bis 2050 strombasierte Produktionsprozesse oder die Nutzung von strombasierten Energieträgern eine wesentliche Rolle spielen. Angesichts der steigenden Kosten für CO 2 wird der Zugang zu grünem Strom für Unternehmen zu einer zentralen Frage der zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit. Dabei ist die Wirtschaft auf Rahmenbedingungen angewiesen, die den direkten Strombezug vereinfachen und sicherstellen. Erzeuger und Anbieter Für Erzeuger und Anbieter erneuerbaren Stroms ermöglichen langfristige Abnahmeverträge mit der Industrie den Weiterbetrieb von Altanlagen nach ihrer gesetzlichen Vergütungsdauer. Auch wenn die Betreiber regenerativer Kraftwerke über die Direktvermarktung Erfahrungen am Strommarkt sammeln konnten, stellt die Refinanzierung der Anlagen über Verträge mit Unternehmen oder Energieversorgungsunternehmen aufgrund mangelnder Erfahrungen eine Herausforderung und ein Risiko dar. 3.2 Rechtliche Ausgestaltung In einem Corporate Green Power Purchase Agreement (PPA) bezieht ein Stromverbraucher – typischerweise ein industrieller Großverbraucher – Strom über mehrere Jahre von einem Grünstromanbieter. Bei der Unterzeichnung eines PPA müssen die Vertragsparteien verschiedene Ausgestaltungsmöglichkeiten berücksichtigen, die einem PPA-Vertrag zugrunde liegen. Wir gliedern diese entlang dreier Kategorien: der rechtlichen Grundtypen, der primären Handelsklauseln und der sekundären Handelsklauseln (Abbildung 4). Die folgenden Abschnitte konzentrieren sich auf die beiden Erstgenannten. 3.2.1 Rechtliche Grundtypen Der rechtliche Grundtyp legt die Rechtsnatur des PPA-Vertrags fest. Rechtliche Grundtypen beschreiben die Vertragsart und die hieraus resultierenden Rechte und Pflichten für Vertragsparteien. Generell unterscheidet man zwischen physischen und virtuellen (finanziellen) PPAs. Im Rahmen eines physischen PPA unterzeichnet der Abnehmer einen Vertrag mit einem Verkäufer, der die physische Lieferung von Strom über einen vereinbarten Zeitraum garantiert. Physische PPAs unterscheiden sich weiter darin, ob sich die Anlage auf dem Gelände des Verbrauchers befindet. Bei direkten PPAs, auch On-Site-PPAs genannt, befindet sich die Erzeugungsanlage am gleichen Standort, was zu einer direkten physischen Stromversorgung zwischen Erzeuger und Verbraucher führt. Die Lieferung des Stroms erfolgt nicht über das öffentliche Stromnetz. Physische PPAs stellen derzeitig einen Sonderfall dar. Sie werden daher nicht in der Analyse berücksichtigt. Im Vergleich dazu befindet sich das Kraftwerk bei einem sogenannten Off-Site-PPA nicht auf dem Gelände des Verbrauchers und erfordert somit, dass der Strom durch das öffentliche Netz an den Abnehmer geliefert wird. Wenn ein Energiedienstleister als Vermittler fungiert und zudem gegebenenfalls die Bilanzkreisführung1 und weitere Dienstleistungen (wie Lieferung der Reststrommenge) übernimmt, spricht man von einem Sleeved PPA. 8 Grundlagen

Wir unterscheiden zwischen drei Gruppen von PPA-Vertragsmerkmalen Abbildung 4: Hauptmerkmale eines PPA Im Rahmen von Off-Site- oder Sleeved PPAs müssen Netzentgelte entrichtet werden, die bei einem On-Site-PPA entfallen. Ein virtuelles PPA hingegen garantiert nicht die physische Lieferung des Stroms, sondern dient als finanzielle Vereinbarung zwischen Verkäufer und Abnehmer. Im Rahmen eines virtuellen PPA vereinbaren beide Vertragsparteien des PPA einen „Ausübungspreis“ pro MWh2, der durch die erneuerbare Anlage erzeugt wird. Sollte der Großhandelspreis für Strom diesen Preis übersteigen, wird vom Verkäufer erwartet, dass er den Abnehmer entschädigt. In diesem Zusammenhang erfolgt die Abrechnung virtueller PPAs in Form eines Differenzkontrakts. Virtuelle PPAs spielen derzeit vor allem in den USA eine Rolle. Auch sie sind kein Gegenstand der vorliegenden Analyse. Im deutschen und europäischen Kontext sind daher gegenwärtig physische PPAs von zentralem Interesse, bei denen das öffentliche Netz genutzt wird. Das sogenannte Sleeved PPA bildet daher den Ausgangspunkt der Analyse. 3.2.2 Primäre Vertragsklauseln Wesentliche Faktoren für die wirtschaftliche Bewertung von PPAs sind die Dauer, Vergütungsstruktur und Strommengen, welche in den primären Handelsklauseln festgelegt sind. Die Verteilung der Risiken zwischen den Vertragspartnern eines PPA hängt letztlich davon ab, wie die Vertragsbedingungen, dementsprechend Liefermenge, Preis und Laufzeit eines PPA, festgelegt werden. Abbildung 5 zeigt die Verteilung des Marktrisikos zwischen Anlage und Abnehmer je nach Ausgestaltung der Vertragsklauseln auf. Dabei gibt das Windradpiktogramm den Grad der Risikoverteilung zwischen Erzeuger und Abnehmer in Bezug auf Ausgestaltung der Vergütung, Vertragsdauer und Strommenge an. Mit Hinblick auf die Preisgestaltung gibt es mehrere Möglichkeiten bei einem PPA. Am häufigsten ist derzeit ein fester Preis pro MWh. Alternativ könnte dem Abnehmer ein variabler Preis angeboten werden, der am Großmarktpreis indiziert3 ist. Zusätzlich zur Indizierung kann eine Ober- und Untergrenze vereinbart werden, um Vermögenswerte und Teilnehmer vor stark abweichenden Großhandelspreisen zu schützen. Derzeit sind Festpreisverträge am weitesten verbreitet. Diese vertragliche Ausgestaltung ist darauf zurückzuführen, dass diese am ehesten die bestehenden Subventionssysteme nachahmen. Dies mindert das Risiko für den Anlagenbetreiber, welcher so Zugang zu einer besseren Fremdkapitalfinanzierung erhält, die wiederum die Finanzierungs- und damit auch die Gestehungskosten senkt. Während variable Preise und Verträge mit bestimmten Ober- und Untergrenzen in den kommenden Jahren eine Option werden können, ist zu erwarten, dass Festpreisverträge zunächst die Regel bleiben werden. 1 Der Abnehmer kann aber auch direkt als Bilanzkreisverantwortlicher agieren. In dieser Variante des Off-Site-PPA ist kein Energieversorger als Dienstleister nötig. 2 Das virtuelle PPA ist ein Derivatevertrag, über den ein fester Preis (vom Abnehmer) gegen einen variablen Marktpreis (mitsamt HKN) (vom Erzeuger) getauscht wird. Der Ausübungs- oder Strikepreis legt das Preisniveau fest, auf das sich die Parteien ausgleichen (Marktpreis < Ausübungspreis, Abnehmer begleicht Differenz; Marktpreis > Ausübungspreis, Erzeuger begleicht Differenz). 3 Unter einem Preisindex versteht man eine volkswirtschaftliche Kennzahl, die Preise und deren Veränderungen aggregiert und zu einer Zahl zusammenfasst, anhand derer man die Preisentwicklung nachverfolgen kann. Grundlagen 9

Hier finden Sie Fachpublikationen und Unternehmensbroschüren

Finden Sie uns auch auf

Copyright © 2017 Bundesverband WindEnergie