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Discussion Paper IASS_Ohne Windenergie keine Energiewende

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Ohne Windenergie keine Energiewende 1. Das Klimapaket und die Windenergie 1.1 Das Klimapaket der Bundesregierung Derzeit herrscht große Aufregung um das deutsche Klimapaket. Mit diesem Bündel an Politikmaßnahmen will die Bundesregierung die Weichen für die Klimaziele 2030 stellen, die durchaus ambitioniert sind: 55% Emissionsminderung, verglichen mit 1990, und 65% Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix (Bundesregierung, 2019a). Um dies zu erreichen, beinhaltet das Paket unter anderem Maßnahmen für einen CO 2 -Preis für die Transport- und Wärmesektoren, den Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2038, sowie Maßnahmen, um die Akzeptanz für neue Windparks zu steigern (Bundesregierung, 2019b). Seit das Klimapaket nach nächtlichen Verhandlungen im September 2019 öffentlich wurde, hat die Kritik daran zugenommen. Vor allem fokussiert sich die Kritik an den – in den Augen vieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Expertinnen und Experten – zu niedrigen CO 2 -Preis von 10 (2021) bis 35 €/Tonne (2025), der deutlich niedriger ist als von diversen Expertengremien vorgeschlagen (Edenhofer et al., 2019; Feld et al., 2019). Mit diesem niedrigen CO 2 -Preis, so die Kritikerinnen und Kritiker, können keine Steuerungswirkungen entfaltet werden (Scientists for Future, 2019): Verbraucherinnen und Verbraucher werden so nicht auf klimafreundliche Mobilitätsformen oder klimaschonende Heizungen umstellen. Die Sektoren Verkehr und Gebäude werden so auch weiterhin hinterherhinken, was die Reduktion von Treibhausgasemission betrifft und somit die Zielerreichung 2030 gefährden. In diesem Diskussionspapier beleuchten wir einen weiteren Aspekt, der unserer Einschätzung nach deutlich Folgenschwerer ist, als der tiefe CO 2 -Preis: die Auswirkungen der vorgeschlagenen 1000 m- Abstandsregelung für neue Windkraftanlagen. Zwei aktuelle Studien (Umweltbundesamt, 2019; Navigant und Fraunhofer ISE, 2019) kommen zu dem Ergebnis, dass eine pauschale Mindestabstandsregelung von 1000 m die Flächenverfügbarkeit um bis zu 50% reduzieren würde. Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie beauftragte Gutachten von Navigant und Fraunhofer IEE (2019) zeigt für verschiedene Hauptvarianten eine Reduktion der Flächenverfügbarkeit um 10% bis 40% mit großen regionalen Unterschieden. Auch das Umweltbundesamt (UBA, 2019) legt in seiner Position zu Auswirkungen von Mindestabständen zwischen Windkraftanlagen und Siedlungen auf die aktuelle Flächenkulisse dar, dass ein Mindestabstand von 1000 m die aktuelle Flächenverfügbarkeit um 20% bis 50% reduziert und sich der Anteil von Flächen mit repoweringfähigen Windkraftanlagen auf unter 35% verringern würde. Beide Studien kommen daher zu dem Ergebnis, dass eine solche 1000 m Mindestabstandsregelung einem vorläufigen Ende des Windenergieausbaus gleich zu setzen ist. Wenn es durch die geplante Abstandsregelung in Deutschland kaum noch ungenutztes Potential für neue Windkraft an Land gäbe, so stellt dies aus unserer Sicht die wichtigste Klimapolitikmaßnahme aus dem Klimapaket – den Kohleausstieg – in Frage: wenn der Kohlestrom nicht durch erneuerbaren Strom ersetzt wird, ist fraglich, ob die letzten Kohlekraftwerke überhaupt abgeschaltet werden können. Damit wäre dann die Sinnhaftigkeit von Maßnahmen, wie einem -Preis für Emissionen in den Verkehrs- und Wärmesektoren, in Frage zu stellen. Denn nur wenn der Strom erneuerbar ist, ist beispielsweise Elektromobilität auch klimaneutral. Somit steht und fällt das Klimapaket mit dem weite- IASS Discussion Paper_ 4

Ohne Windenergie keine Energiewende ren Ausbau der erneuerbaren Energien im Stromsektor und vor allem mit der wichtigsten einheimischen Energiequelle in Deutschland: der Windkraft. Im Folgenden analysieren wir die vorgeschlagene Mindestabstandsregelung von 1000 m sowie andere mögliche Abstandsregelungen zwischen Windkraftanlagen und Siedlungen und deren Auswirkungen auf das Potential der Windkraft an Land in Deutschland. 1.2 Windenergie - das Rückgrat der Energiewende Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist ein zentrales Element der Energiewende und einer klimaschonenden und sicheren Energieversorgung in Deutschland. Bereits heute trägt die Windenergie mit rund 16% die Hälfte des durch erneuerbare Energien produzierten Bruttostroms bei (BMWI, 2019a). Die Bundesregierung hat das Ziel gesetzt, bis 2030 den Anteil von erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch auf 65% zu steigern (Bundesregierung, 2019b). Für die Windenergie an Land bedeutet dies, je nach dem Szenario für die energiewirtschaftlichen Entwicklung, ein Zubau von 74-86 GW installierte Leistung bis 2030 (BNA, 2018), von etwa 53 GW heute (Statistika, 2018). Auch für die Zeit nach 2030 wird die Windkraft eine zentrale Säule einer klimaschonenden und irgendwann klimaneutralen Stromversorgung in Deutschland sein (Matthes et al., 2018; IRENA, 2018; Henning und Palzer, 2013). Ohne Windenergie ist der Kohleausstieg und damit die Energiewende als Ganzes kaum realisierbar. Der Ausbau der Windenergie an Land ist jedoch eingebrochen (Abb. 1). Als Hauptgründe gelten lange Genehmigungsverfahren, zu wenig ausgewiesene Flächen und viele Klageverfahren gegen Windkraftanlagen (Handelsblatt, 2019; Bundesverband WindEnergie, 2018). Schon heute sind die Flächen für Windkraftanlagen an Land eine knappe Ressource. Abbildung 1: Jährlicher Brutto-Zubau von Windkraftanlagen.*1. Halbjahr 2019. Quelle: Bundesverband WindEnergie IASS Discussion Paper_ 5

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