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ENERGIEWENDE UND TOURISMUS

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Erneuerbare-Energien-Anlagen können mit Erholungsgebieten und Tourismus kombiniert werden. So können die Energiewende-Projekte dabei manchmal selbst zu Attraktionen werden oder die Einnahmen aus erneuerbaren Projekten zur Finanzierung von Touristenattraktionen verwendet werden. Kommunen, die sich in einem Strukturwandel befinden, können beispielsweise ihre Energiewende-Geschichten an den jeweiligen Schauplätzen erzählen. Herausgeber: Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) Renews spezial AUSGABE 4531 08 2019

AUSGABE 45 SEITE 6 Auch

AUSGABE 45 SEITE 6 Auch der Eichelbuck in Freiburg ist ein Energieberg. Dort wird das Gas aus dem Abfallhaufen (der jetzt auch mit Gras bewachsen ist) gesammelt und mit Biogas zur Strom- und Wärmeerzeugung vermischt. Eine riesige Solaranlage wurde 2011 auf der Südseite des Hügels installiert. Auf der Spitze wurde ein Veranstaltungszentrum errichtet, das einen neuen Blick auf die Stadt vor der Kulisse des Schwarzwaldes ermöglicht und für Events vermietet wird. Die Einrichtung ist nach Voranmeldung für Gruppen geöffnet, die mehr über die Anlage erfahren möchten. Schließlich ist die Linachtalsperre eine historische Wasserkraftanlage im Schwarzwald. In den 1990er Jahren beschloss eine Bürgerinitiative, die Jugendstilstruktur aus den 1920er Jahren wiederherzustellen, teilweise als Touristenattraktion. Heute erzeugt der Staudamm wieder Strom, und man kann hier Fahrradfahren oder das Museum im Inneren besuchen, welches auch Teil eines Energieerlebnispfades ist. Seit 2008 finden auf der trockenen Seite des Damms Sommertheateraufführungen und Tanzveranstaltungen statt. 3 TOURISMUS IM STRUKTURWANDEL Mehrere Regionen in Deutschland durchlaufen einen Wandel vom traditionellen Kohlebergbau und der Schwerindustrie hin zu einer klimafreundlichen Energieversorgung. Damit diese Kommunen nicht zurückfallen, wird meist die Strategie der Diversifizierung verfolgt. Häufig zählt der Tourismus dazu, und Erneuerbare Energien spielen hier zum Teil eine wichtige Rolle. So verfügt der ehemalige Braunkohletagebau Klettwitz heute über ein Windrad mit einer Plattform, von der aus man auf die 166 Megawatt große Solarparks Meuro und Senftenberg blicken kann: Diese waren nach ihrer Fertigstellung im Jahr 2011 zusammengenommen kurzzeitig die größte Photovoltaik-Anlage der Welt. Die Besucher*innen können darüber hinaus den ehemaligen 50 Meter hohen und 170 Meter langen Kohlebagger – eine der größten Maschinen, die jemals gebaut wurde – bestaunen. Das Grundwasser hat eine Das Millau-Viadukt besteht aus sieben Pfeilern, wovon einer der höchste Bau in ganz Frankreich ist. Die Brücke wurde für die Autobahn gebaut, um eine schnelle Fahrt durch eines der schönsten Täler des Landes zu ermöglichen. Sie gilt als Meisterwerk der Technik, nicht als Verschandelung einer naturbelassenen Landschaft. Foto: public domain

AUSGABE 45 SEITE 7 Reihe von Kratern gefüllt, die durch den Kohlebergbau zurückgelassen wurden, so dass künstliche Seen entstanden sind, die auch für den Tourismus bei Senftenberg genutzt werden. “Wenn man bedenkt, dass der neue Airbus A 380 eine Flügelbreite von 80 Metern hat, so kann dieser bequem hier durchfliegen." – Der Betreiber des Druiberger Windparks über die 112 Meter langen Rotorblätter an einem Windrad in seinem Park Für viele Braunkohleregionen sind Tourismus und Erneuerbare Energien Teil des bisherigen Strukturwandels; die Deutsche Kohlekommission empfiehlt, den Braunkohlebergbau bis 2038 auslaufen zu lassen. Das Wirtschaftsministerium und die Agora Energiewende sehen Tourismus und Erneuerbare Energien als Teil einer viel umfassenderen Strategie zur Diversifizierung dieser lokalen Volkswirtschaften, die so lange von Kohle abhängig waren. Neben ehemaligen Kohleregionen sind einige Militärgebiete einem Wandel unterlaufen, manche davon hin zu Erneuerbaren Energien. Ein Beispiel ist die Energielandschaft Morbach, wo Besucher auf dem ehemals größten Munitionsdepot der US-Luftwaffe in Europa einen Mix von Wind, Sonne und Biomasse erleben können. Wie die bereits erwähnte Energieerlebnistour hat eine Reihe von Touristenattraktionen finanziell von erneuerbaren Projekten profitiert. Die Geierlay-Brücke war bei ihrer Errichtung im Jahr 2015 die längste Hängebrücke Deutschlands. Ohne die Finanzierung durch den nahegelegenen Windpark wäre sie nicht gebaut worden. Die Brücke erstreckt sich 360 Meter über eine 100 Meter tiefe Schlucht. Allein in den ersten drei Jahren lockte sie 820.000 Touristen nach Mörsdorf (600 Einwohner). "Wir haben keine leerstehenden Immobilien mehr", sagte 2018 der Ortsbürgermeister Marcus Kirchhoff. Die Kommune hat sogar ein neues Besucherzentrum gebaut. Zahlreiche weitere Beispiele sind eher kleinerer Natur, wie z.B. E-Bike-Ladestationen neben einem Picknicktisch am Fuße eines Windrads im Lindenhardter Forst. Andere Kommunen finanzieren touristische Events durch Einnahmen aus ihren erneuerbaren Projekten. So veranstaltet die Kleinstadt Großefehn ein Musikfestival in einem Windpark. Die 14.000 Einwohner*innen zählen heute jährlich rund 180.000 Übernachtungsgäste und sind ein gutes Beispiel dafür, wie Wind, Sonne und Biomasse mit dem wachsenden Tourismus vereinbar sind. Riesige Industrieanlagen wie der Hamburger Hafen – in dem mehrere Windkraftanlagen installiert sind - - ziehen ebenfalls Besucher aus aller Welt an. Dort werden sie nicht als störend empfunden, weil das Gebiet bereits industrialisiert ist. Dagegen verändern erneuerbare Projekte im ländlichen Raum oft die Landschaft. Die gute Nachricht ist, dass sich die Menschen an Veränderungen gewöhnen. Darüber hinaus schätzen sie oft technische Innovationen, auch wenn diese die Landschaft verändern. Und auch erneuerbare Projekte haben viele Pluspunkte: Sie schaffen lokale Arbeitsplätze, verringern die Importabhängigkeit, liefern saubere Energie und mildern den Klimawandel. Durch die Kombination von Erneuerbaren Energien und Tourismus können Kommunen nicht nur ihr Image verbessern, sondern auch Bewusstsein und Wissen über die Technologien steigern. Tatsächlich gibt es bereits zahlreiche Unternehmen wie das Erlebnisbad Miramar, die nach jahrzehntelanger Abhängigkeit von Erdgas auf Erdwärme umgestellt haben und dabeigeblieben sind, weil es finanziell sinnvoll ist – ohne es weiter für Eigenwerbung zu erwähnen. Vielleicht sieht so die Zukunft aus: Eines Tages sind alle oben genannten Projekte nichts Besonderes mehr, sondern selbstverständlich.

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