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Globale Trends der KI für die Energiewirtschaft

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1 Globale Entwicklungen der KI Damit machen sich Menschen verletzbar, weil ihre Wünsche, Bedürfnisse und Sehnsüchte vorhersehbar und z. B. mittels gezieltem Verhaltens-Engineering manipulierbar werden. Darüber hinaus besteht das Risiko, dass im für die KI-Technologie verwendeten Datenmaterial bestehende Stereotype oder Vorurteile gegenüber bestimmten Bevölkerungsgruppen reproduziert werden, die letztlich zu ungerechtfertigten, gegebenenfalls auch politisch motivierten Entscheidungen führen könnten. Diese Entwicklungen führen folglich auch zu einer schrittweisen Einschränkung menschlicher Freiheit und Selbstbestimmung und werfen daher zwangsläufig Fragen zu unserem Demokratieverständnis auf. Während China und die USA mit harten Mitteln um die KI-Vormachtstellung kämpfen, verfolgt Europa einen ethisch basierten Ansatz. Kann das Ihrer Meinung nach funktionieren? Ganz eindeutig: Ja! Denn im Kontext des schnellen technologischen Wandels sind ethische Überlegungen unabdingbar, damit Vertrauen auch in Zukunft ein zentrales Element gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Handelns ist. Das Konzept einer „vertrauenswürdigen KI“, das auch die Europäische Kommission vertritt, ist der Schlüssel zu einer „verantwortlichen Wettbewerbsfähigkeit“. So soll die Grundlage dafür geschaffen werden, dass alle von KI-Technologien betroffenen Personen darauf vertrauen können, dass Konstruktion, Entwicklung und Nutzung dieser Systeme rechtmäßig, ethisch und robust sind. China nutzt KI für sein Sozialkreditsystem. Wie groß ist das Potenzial von KI in totalitären Staaten? Welche gesellschaftlichen Risiken sind damit verbunden und kann diese ethische Position Chinas zu einer Bedrohung in Europa führen? Im Gegensatz zu liberalen Staaten gibt es in China bewusste Anstrengungen vonseiten des Regimes, den politischen Diskurs auf persönlicher Ebene mithilfe des Internets und fortschrittlicher Überwachungstechnologien zu beeinflussen. Dabei setzt die chinesische Regierung mittlerweile auch KI-Technologie ein, die sowohl online als auch offline Daten für ihr umstrittenes Sozialkreditsystem zusammenführen und nutzen soll, mit dem Ziel, regimekritisches Verhalten durch Zensur zu unterdrücken. Die damit einhergehenden Risiken für die Gesellschaft sind beträchtlich, allen voran die Bedrohung für die geistige Selbstbestimmung und Gesundheit sowie die Einschränkung der Freiheit des Einzelnen im Allgemeinen durch Zwang und ungerechtfertigte Massenüberwachung. China ist ein Beispiel dafür, wie neue Technologien für politische Zwecke eines autoritären Staates explizit missbraucht werden können. In Bezug auf liberale Staatensysteme wie in Europa sehe ich die Gefahr eher darin, dass durch die Marktdominanz einiger weniger Unternehmen (Stichwort: „Überwachungskapitalismus“) unsere gesellschaftlichen Strukturen und somit auch unsere politischen Systeme auf subtile Weise verändert werden. Bereits heute bestimmen Algorithmen auch in Europa in einem großen Ausmaß, welche Informationen wir bekommen und welche Produkte bzw. Dienstleistungen wir kaufen wollen. Sehen Sie durch den Einsatz von KI eher Chancen oder eher Risiken für die Gesellschaft? Aus gesellschaftlicher Perspektive ist der zunehmende Einsatz von KI insgesamt sowohl mit Chancen als auch mit Risiken verbunden. Für mich persönlich überwiegen die Chancen, vorausgesetzt, wir schaffen es, die Idee einer vertrauenswürdigen KI erfolgreich zu etablieren und gleichzeitig den mit KI verbundenen Risiken – d. h. digitale, physische und politische Sicherheitsrisiken – angemessen und verhältnismäßig zu begegnen. Insbesondere können KI-Systeme dabei helfen, die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen zu erreichen. Des Weiteren können uns solche Systeme auch bei der Überwachung von Indikatoren helfen, die Fortschritte in den Bereichen Nachhaltigkeit und sozialer Zusammenhalt messen. Um dies zu erreichen, müssen KI-Systeme auf den Menschen ausgerichtet sein und auf der verpflichtenden Grundlage stehen, dass ihre Nutzung in den Diensten der Menschheit und des Gemeinwohls steht, mit dem Ziel, menschliches Wohl und menschliche Freiheit zu mehren. 22

2 Regionen im Detail – Rahmenbedingungen für KI 2 Regionen im Detail – Rahmenbedingungen für KI 2.1 Europa: der ethische KI-Ansatz Im Vergleich zu den anderen Ländern und Regionen der Welt zeichnet sich Europa vor allem durch einen starken Fokus auf den ethischen und vertrauensvollen Umgang mit künstlicher Intelligenz aus. So hat eine von der EU-Kommission berufene Expertenkommission aufbauend auf der europäischen Strategie zur künstlichen Intelligenz 2019 ethische Leitlinien für die Entwicklung und Nutzung vertrauenswürdiger KI in der EU vorgelegt. Diese sehen u. a. vor, dass KI zum Wohle der Gesellschaft eingesetzt werden soll, indem sie das menschliche Handeln und die Wahrung der Grundrechte unterstützt. Auch wird darin die Bedeutung von Privatsphäre und der Hoheit der Bürgerinnen und Bürger über ihre eigenen Daten hervorgehoben. Allerdings sind die Strategien und Geschwindigkeiten, mit denen die einzelnen europäischen Länder das Thema KI politisch vorantreiben unterschiedlich. Die führenden KI-Nationen sind das Vereinigte Königreich, Deutschland, Frankreich sowie die skandinavischen Länder, die allesamt über eigene Strategien für den Einsatz und die Förderung von KI verfügen. 2.1.1 Politik und Gesellschaft Im April 2018 hat die Europäische Kommission ihre KI-Strategie veröffentlicht, die vor allem den Menschen in den Mittelpunkt stellt, auf europäischen Werten basiert und damit einen ethischen Ansatz verfolgt. Um die Wettbewerbsfähigkeit Europas im globalen KI-Markt zu stärken, haben sich die 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und Norwegen zur Zusammenarbeit verpflichtet und folgende Ziele definiert: • Der Einsatz von KI soll in der gesamten privaten und öffentlichen Wirtschaft durch die Vergrößerung der technologischen und industriellen Leistungskapazität verstärkt werden. Hierbei spielen der Zugang zu Daten sowie Investitionen in die Forschung und Entwicklung eine wichtige Rolle. • Um auf die sozioökonomischen Änderungen, wie die Modifikation von Tätigkeitsprofilen in der Arbeitswelt, vorbereitet zu sein, sollen Bildungs- und Ausbildungssysteme modernisiert und angepasst werden. Dies beinhaltet Umschulungsprogramme für Berufstätige, die Förderung digitaler Fähigkeiten in MINT-Fächern und die Unterstützung von Partnerschaften in der Wirtschaft, um mehr KI-Talente anzuwerben und zu halten. • Zur Wahrung der Werte der Europäischen Union und zur Festlegung der ethischen Rahmenbedingungen wurden Leitlinien der KI formuliert. Diese sind das Ergebnis einer detaillierten Analyse der veränderten Herausforderungen und der Kollaboration verschiedener Interessensvertreter. Im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms „Horizont 2020“ sollen hierfür zwischen 2018 und 2020 rund 1,5 Milliarden Euro investiert werden. Mithilfe der Mitgliedsstaaten und des privaten Sektors sollen die Gesamtinvestitionen der EU auf jährlich 7 Milliarden Euro bzw. einen Gesamtbetrag von 20 Milliarden Euro bis 2020 steigen. Ein starker Fokus liegt hierbei auf der Förderung von Grundlagenforschung sowie marktschaffenden Innovationen. Neben dem Aufbau von KI-Exzellenzzentren sollen auch kleine und mittlere Unternehmen ermutigt werden, KI-Technologien anzuwenden, indem ihnen diese einfacher zugänglich gemacht werden (EU-Kommission, 2018b). dena-Analyse „Globale Trends der KI und deren Implikationen für die Energiewirtschaft“ 23

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