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Jahrbuch Windenergie 2010 - BWE Marktübersicht

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20. Auflage der BWE Marktübersicht

_ Markt und Technik

_ Markt und Technik Deutschlands erster Offshore-Windpark „Alpha Ventus" Foto: Matthias Ibeler / DOTI Am 16. November 2009 um 7:30 morgens ist das Dutzend endlich komplett. Im ersten deutschen Offshore-Windpark „Alpha Ventus“ setzen die Monteure nach sieben Monaten Bauzeit die letzte Turbine auf den Turm. Hier oben, rund 90 Meter über dem mittleren Hochwasser, hat man den besten Blick auf die riesigen Maschinen der Hersteller Areva-Multibrid und Repower, auf die benachbarte Messplattform „Fino 1“ und die endlose Weite der grauen Nordsee. „Alpha Ventus ist der erste Offshore-Windpark weltweit, in dem ein Dutzend Windkraftanlagen der 5-Megawatt-Klasse zum Einsatz kommen“, verkündet das Betreiber-Konsortium von EWE, E.ON und Vattenfall stolz. Immerhin 250 Mio. Euro haben Staat und Unternehmen investiert, um die Anlagen mit zusammen 60 MW zu realisieren. Jedes einzelne Windrad ist hunderte Tonnen schwer, seine Blattenden reichen am höchsten Punkt an die Spitzen des Kölner Doms und im bis zu vierzig Meter tiefen Wasser halten gigantische Stahlnägel die Türme am Boden fest, damit sie auch Orkanböen mit 180 km/h und die gefürchtete, 17 Meter hohe Jahrhundertwelle überstehen. Die zwölf Riesen im Meer sollen 50.000 Haushalte mit sauberem Strom versorgen. Der Windpark ist der sichtbare Startschuss für den Ausbau der Windenergie in der deutschen Nordsee, dem jetzt sehr viel größere Projekte folgen. 45 Kilometer nordwestlich von Alpha Ventus hat die Bard-Gruppe aus Emden im Oktober 2009 ihr Baugebiet für den Windpark „Bard Offshore 1“ für die allgemeine Schifffahrt gesperrt. Während etliche Maschinenhäuser und Fundamente der 5 MW Anlagen schon seit dem Spätsommer 2009 an der Küste auf ihren Einsatz warten, steht das Umspannwerk für den Betrieb von 80 Maschinen mit zusammen 400 MW seit November im Wasser. Und von diesem 80 Meter hohen und gut 7.400 Tonnen schweren, kanariengelb gestrichenen Koloss führt ein 200 Kilometer langes Stromkabel unter Wasser bis nach Niedersachsen. Ende 2010 soll der Windstrom aus dieser Leitung dann 400.000 Durchschnitthaushalte „powern“. Der Bauherr und Betreiber Bard Engineering aus Emden rechnet mit einem Jahresertrag von 1.7 Milliarden kWh. Aus Planung wird Wirklichkeit Auch in der deutschen Ostsee wird – nach Jahren der reinen Vorplanung – nun endlich auf See gearbeitet: Der südwestdeutsche Energieversorger EnBW bereitet bei dem Projekt Baltic 1 die Fundamente für 21 Anlagen mit jeweils 2,3 MW vor. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie hat 20 Windparks in der Nordsee und sechs in der Ostsee vollständig genehmigt, bis zu 50 weitere Genehmigungen stehen an. Einige dieser Projekte haben sich bei den Herstellern bereits die notwendigen Anlagen gesichert – sie werden die nächsten sein, die auch mit den Bauarbeiten beginnen werden (siehe Tabelle Seite 47). Allzu sehr drängt die Zeit die Planer jedoch nicht. Die Ziellinie wurde in Deutschland auf dem ersten Januar 2016 geschoben: Bis dahin erhalten die Betreiber nach der EEG 2009 eine „erhöhte Anfangsvergütung“ von 15 Cent/kWh Windstrom. Das EEG von 2004 hatte einen so genannten „Sprinterbonus“ nur für Anlagen vorgesehen, die bis Ende 2010 Strom produzieren. Die Bundesregierung musste jedoch feststellen, dass sich unter dieser Vorgabe und einer Vergütung von „nur“ 9,1 Cent/kWh keine Bauherren auf das Wasser locken lassen wollten, zumal viele deutsche Projekte besonders weit von der Küste entfernt sind und mit Wassertiefen zwischen 30 und 40 Metern fertig werden müssen. 46 BWE-Marktübersicht 2010

_ Markt und Technik Marktführer: Briten und Dänen Statt der Deutschen führen darum seit einigen Jahren Briten und Dänen den Offshore-Markt an. Während Deutschland Ende 2009 nur auf 60 MW – dazu einige Anlagen wenige Meter vor dem Deich - installierter Leistung verweisen kann, lag Dänemark über 400 und Großbritannien schon bei knapp 1.000 MW Windenergie vom Meer. Selbst Schweden und Holland haben mit 133 und 246 MW die deutschen Projekte weit überholt. Der wichtigste und am schnellsten wachsende Offshore-Markt ist darum heute – und auf absehbare Zeit – der englische. Die Briten, die sich in der EU verpflichtet haben, von 2005 bis 2020 einen Sprung von 1,3 auf 15 % erneuerbare Energien zu schaffen, haben viel offenes Wasser vor der Haustür und bieten mit rund 15 Cent/kWh schon seit Jahren eine der höchsten Einspeisevergütungen in Europa an. Bis 2011 sollen weitere Parks mit 2.600 MW ihren Baubeginn vollziehen. Und bis 2020 ist nach den Plänen der Regierung noch einmal mit 7.000 neuen Windrädern und einer Leistung von rund 25.000 Megawatt zu rechnen. Doch das ist noch lange hin. 2015 werden sich in europäischen Gewässern nach Prognosen der European Wind Energy Association (EWEA) schon Rotoren mit mehr als 15.000 MW drehen. Weltweit prognostiziert die dänische Unternehmensberatung BTM immerhin knapp eine Verzehnfachung der Offshore- Windkraft von rund 2000 MW Ende 2010 auf 18.500 MW im Jahr 2015. In kleinen Schritten (siehe Tabelle) soll sich bis dahin selbst China in den Markt tasten. Fortgeschrittene Planung in der deutschen Nord- und Ostsee Nordsee Zahl der Anlagen Anlagenklasse Gesamtleistung MW Anlagen-Hersteller Bauherr Borkum West II 40 5 MW 200 Areva Multibrid Trianel Global Tech I 80 5 MW 200 Areva Multibrid Wetfeet Offshore Windenergy Innogy Nordsee 1 150 bis 180 5 bis 6 MW 960 Repower RWE Nordergründe 18 5 MW 90 Repower Energiekontor Ostsee Baltic 1 21 2,3 MW 48,1 Siemens EnBW Windparks, bei denen die Betreiber sich die Anlagen nach eigenen Angaben bereits „gesichert“ haben. Quelle: Firmenangaben Ausbau in den wichtigsten Offshore-Märkten weltweit von 2009 bis 2015 in MW Land Gesamt bis Ende 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 Gesamt bis Ende 2015 Belgien 30 0 365 100 300 96 0 216 1.107 Dänemark 398 230 207 0 400 0 0 0 1.235 Frankreich 0 0 0 0 105 0 705 410 1.220 Deutschland 0 60 400 0 620 730 800 800 3.410 Holland 247 0 0 0 0 0 0 350 597 Schweden 133 30 0 150 0 90 640 0 1.043 USA 0 0 0 0 420 0 360 0 780 Kanada 0 0 0 0 500 0 400 900 China 0 0 102 0 200 0 200 0 502 Welt 1.421 755 1.374 1.368 3.525 3.066 3.805 3.176 18.490 Quelle: BTM Consult 2009 BWE-Marktübersicht 2010 47

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