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Jahrbuch Windenergie 2010 - BWE Marktübersicht

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20. Auflage der BWE Marktübersicht

Was sind

Was sind Kleinwindanlagen? Eine allgemein anerkannte Definition gibt es bislang nicht. Der BWE definiert Kleinwindanlagen als Windräder in der Größenklasse bis 100 Kilowatt installierter Leistung. Klein sind diese jedoch nur noch im Vergleich zu den ganz großen Turbinen. Für den Hausgebrauch kommt eher eine Anlage von bis zu 30 kW in Betracht. Hier zieht auch das EEG die Grenzen für den "Hausanschluss als wirtschaftlichsten Anschlusspunkt". Eine andere Definition wird durch die IEC-NORM 61400-2:2006 („design requirements for small wind turbines“) vorgegeben. Als kleine Windenergieanlagen gelten danach alle Anlagen, deren überstrichene Rotorfläche kleiner ist als 200 Quadratmeter bei 350 W/m². Daraus ergibt sich eine maximale Leistung von 70 kW. Der Britische Windenergieverband BWEA versteht unter Kleinwindanlagen solche mit einer Leistung bis zu 50 kW. Sie unterscheidet noch einmal zwischen „small wind“ (über 20 kW) und „micro wind“-Anlagen (bis 20 kW). In der Regel ist der Turm einer Kleinwindanlage nicht höher als 20 Meter. Bei den derzeit marktgängigen Modellen liegt die Leistung meist zwischen 5 und 10 kW. quietrevolution Turbinen auf dem Dach eines Bürohauses in Croydon, London Foto: quietrevolution

_ Markt und Technik Kleine Rotoren: Revolution auf der Dachkante Im Schatten ihrer großen Geschwister stehen kleine Windräder auf dem Sprung zum Massenmarkt. Trotz aufwändiger Genehmigungsverfahren und geringer technischer Vergleichbarkeit legen die Installationszahlen in den USA, Großbritannien und Deutschland rasant zu. Erk Rickmers ist Landwirt und sein Hof liegt in einer zugigen Gegend. In der nordwestlichen Ecke Schleswig-Holsteins, da wo das Land flach und die dänische Grenze nicht weit ist, wuchsen schon früh die ersten Windkraftwerke und auch der Messestandort Husum ist nur einen Katzensprung entfernt. In einer Gegend, deren Bewohner sich schon lange an Rotoren auf hohen Türmen gewöhnt haben, dachte sich Rickmers vor ein paar Jahren: Warum soll das nicht auch im kleinen Maßstab funktionieren? Im November 2006 baute er auf seinem Hof eine Kleinwindenergieanlage (KWEA) auf. Die Nennleistung von sechs Kilowatt reicht aus, um den Betrieb mit Strom zu versorgen. 100 Sauen und 900 Mastplätze hat Rickmers. Die kleine Windanlage versorgt die Lüftungs- und Fütterungsanlage und die Infrarotlampen für die Ferkel im Stall. „Seit ich den Stecker das erste Mal eingesteckt habe, läuft die Anlage problemlos“, sagt Rickmers. Mit seiner Anlage ist der Landwirt nicht allein. Rund 4.000 Windräder mit einer Leistung zwischen einem halben und fünf Kilowatt sind in der Bundesrepublik heute in Betrieb. Tendenz: steigend. In Großbritannien wurden allein von 2005 bis Mitte 2009 über 10.000 Kleinwindanlagen mit einer Kapazität von zusammen 20 Megawatt aufgestellt. Und der amerikanische Branchenverband AWEA beziffert die installierte Gesamtleitung von Kleinwindanlagen in den Vereinigten Staaten auf 80 MW. Im Windschatten der großen Anlagen und Offshore-Windparks sieht es so aus, als könnten nun auch die kleinen Windräder einen großen Satz nach vorn machen. Von Insellösungen zur netzgebundenen Stromproduktion eingesetzt. In der Antarktis dient der Wind Forschern als Energiequelle ihrer Polarstationen. Und selbst Nomaden in der Mongolei nutzen die Windenergie zum Kochen – die Anlagen sind so klein, dass sie auf dem Pferd transportiert werden können. Doch die Technik wird zunehmend auch eingesetzt, wo bereits ein Anschluss an das Stromnetz vorhanden ist. Die Betreiber sind oft genug Privatpersonen, die nicht nur Energie aus dem Netz beziehen, sondern selbst welche dazu produzieren – und mitunter die Überschüsse in das Netz einspeisen. Einspeisen oder nur einsparen? Das mit dem Einspeisen ist allerdings ein heikles Thema. Es lohnt sich nämlich derzeit kaum. Zurzeit – so drückte es BWE-Präsident Hermann Albers jüngst auf dem KWEA-Symposium aus – sei der Betrieb einer Kleinwindanlage eher von Leidenschaft geprägt als von Betriebswirtschaft. In Deutschland erhalten private Betreiber neuer Kleinanlagen die gleiche Vergütung wie die Betreiber großer Windparks, wenn sie Strom ins Netz einspeisen, nämlich anfangs 9,2 Cent pro Kilowattstunde. Nach fünf Jahren kann sich das noch einmal ändern, denn das EEG schreibt vor, dass der reale Standortertrag jeder Windenergieanlage dann belegt werden muss. Dazu ist ein aufwändiges Messverfahren nötig, das für die meisten Betreiber von Kleinwindanlagen schlicht zu teuer ist. Ohne diese Messungen wird ihnen jedoch die Einspeisevergütung nach fünf Jahren auf 5,02 Cent pro Kilowattstunde gekürzt. Dabei sind die Anschaffungskosten für KWEA mit 3.000 Euro und mehr pro Kilowatt Nennleistung mehr als doppelt so hoch wie bei großen Windparks. Kleinwindenergieanlagen eignen sich traditionell dazu, an entlegenen Orten Strom zu produzieren oder mechanisch Pumpen anzutreiben. In Urlaubsregionen beliefern sie abgelegene Ferienhäuser mit Strom. Sie werden an Bord von Schiffen, an Wohnwagen und auf Mobilfunkstationen „Ich erlebe manchmal auf Tagungen und Messen, dass viele Interessenten mit Euphorie anreisen“, sagt Landwirt Erk Rickmers. „Sie sehen die großen Windparks, aber die Erträge von Kleinwindanlagen sind dann eher ernüchternd.“ Rickmers kennt Windkraft im Großen und im Kleinen. Schon BWE-Marktübersicht 2010 53

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