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Mehr Abstand - mehr Akzeptanz? Ein umweltpsychologischer Studienvergleich

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Autor: Dr. Gundula Hübner, Dr. Johannes Pohl Herausgeber: Fachagentur Windenergie an Land.

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6 Mehr Abstandmehr Akzeptanz? 1 Einleitung Windenergieanlagen (WEA) werden kontrovers diskutiert – manche Anwohner befürworten sie, andere lehnen sie aus Sorge um das Landschaftsbild ab oder befürchten Auswirkungen auf Mensch und Natur. Zwar dürfen WEA nur errichtet werden, wenn sie den vorgeschriebenen Immissionsschutz gewährleisten, dennoch liegen Anwohnerbeschwerden vor, etwa zu den Geräuschen von WEA. Zur Häufigkeit und zu den Ursachen möglicher Belästigungen von Anwohnern durch WEA-Immissionen gibt es bisher nur wenige wissenschaftlich belastbare Studien. Ebenso scheint bislang unklar, ob es einen bedeutsamen Zusammenhang zwischen der Akzeptanz von WEA und dem Abstand zur Wohnbebauung gibt – wie aktuell in der politischen Debatte um die Nutzung von WEA diskutiert. Ziel dieser Broschüre ist es, die Ergebnisse wissenschaftlich belastbarer Analysen des Zu sammenhangs zwischen dem Abstand, der Akzeptanz sowie den Wirkungen von WEA auf Anwohner für Entscheidungsträger, betroffene Bürger und andere Interessierte zu vermitteln. Dazu werden die Befunde internationaler und nationaler Studien zusammengefasst, die den internationalen wissenschaftlichen Standards genügen. Dazu gehört, dass sowohl die Datenerhebung als auch die Auswertung offenliegen und nachvollziehbar sind. Dies bedeutet nicht, dass Erfahrungsberichte von Anwohnern oder theoretische Überlegungen zu möglichen WEA-Auswirkungen abgelehnt würden. Vielmehr werden diese als offene Fragen verstanden, die es wissenschaftlich zu klären gilt. Wissenschaftliche Untersuchungen zu Wir - kungen von WEA auf Anwohner werden erst in den letzten 15 Jahren häufiger durchgeführt. Hervorzuheben sind die Arbeiten der Arbeitsgruppe um Eja Pedersen zur Geräuschwirkung 1, 2, 3 . Inzwischen liegt rund ein Dutzend Studien vor aus den USA 4, 5, 6, 7, 8 und Europa 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17 , die auch den Abstand zur Wohnbebauung berücksichtigen. Einige der Studien erfassen jedoch nur grobe Abstandsbereiche, die kaum zum besseren Verständnis des Zu sam menhangs zwischen der Akzeptanz und dem Abstand beitragen: Eine Studie findet im Abstand unter fünf Kilometern eine höhere Akzeptanz lokaler WEA, über fünf Kilometern Abstand jedoch eine geringere 16 , eine andere Studie kommt zum genau entgegengesetzten Ergebnis 8 . Eine dritte schließlich, die mit ähnlich groben Abstandsbereichen arbeitet, findet keinen Zusammenhang 12 . Diese widersprüchlichen Ergebnisse weisen auf Einflüsse anderer Faktoren hin, die in den drei Studien leider nicht berücksichtigt wurden – entsprechend können sie für die vorliegende Analyse nicht genutzt werden. Eine besondere Datenlage liegt für Deutschland und die Schweiz vor, durch die Forschung der umweltpsychologischen Arbeitsgruppe um Gundula Hübner und Johannes Pohl. Sie konnten vier Studien zu Akzeptanz und Stresswirkungen von WEA durchführen, in denen jeweils der Wohnabstand zur nächsten WEA sowie verschiedene Akzeptanz- und Stressindikatoren vergleichbar erfasst wurden. Die Studien wurden ermöglicht durch die Forschungsförderung des Bundes (Deutschland, Schweiz), einzelner Bundesländer und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Über 1.300 Anwohner an

Mehr Abstandmehr Akzeptanz? 7 Die Erzeugung von Windstrom ist in den vergangenen Jahren sichtbarer geworden. Windenergienutzung im Hunsrück mehr als 20 Standorten wurden einbezogen, im Flachland 10, 14, 15 sowie in Hügel- und Gebirgslandschaften 9, 10 . Die vergleichende Auswertung dieser vier Studien konnte im Hinblick auf die Abstandsfrage vertieft werden. Die Ergebnisse dieser Analyse stehen im Mittelpunkt der vorliegenden Broschüre, welche auf Initiative der Fachagentur Windenergie an Land entstand. Ausgehend von sozial- und umweltpsychologischen Theorien definieren wir die Akzeptanz von WEA als die Einstellung a) zu den lokalen WEA und b) zur Windenergienutzung allgemein 18, 19 . Die Einstellung beschreibt, inwieweit die WEA als positiv oder negativ bewertet werden. Der Einstellung ihrerseits liegen die Vor- und Nachteile zugrunde, die mit den WEA verbunden werden. Nach einem Einblick in die Methodik der einbezogenen vier Studien wird zunächst geklärt, wie die lokale Akzeptanz von WEA sowie Anwohnerbelästigung durch diese ausgeprägt sind. Anschließend wird eine umfassende Analyse des Zusammenhangs zwischen dem Abstand von WEA zur nächsten Wohnbebauung sowie mehreren Akzeptanz- und Stressmaßen durchgeführt. Mehrere Maße einzubeziehen ist notwendig, um verallgemeinerbare Aussagen treffen zu können. Denn würden nur einzelne berücksichtigt, könnten die Ergebnisse als zufällig und zu spezifisch kritisiert werden. Spezifisch meint, wenn beispielsweise ein bedeutsamer Zusammenhang zwischen Abstand und Geräuschbelästigung nachweisbar wäre, jedoch nicht zwischen Abstand und Akzeptanz. Konsistente, studienübergreifende Ergebnisse sprechen dagegen für belastbare und valide Ergebnisse. Zu einem ersten Entwurf dieser Broschüre gaben uns Testleser konstruktive Rückmeldungen, vertreten waren Bürger, Planungsexperten und Behördenvertreter auf kommunaler, Landes- sowie Bundesebene. Ihnen gilt unser besonderer Dank.

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