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Rotmilan und Windenergie - Ein Scheinproblem

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Der Rotmilan wird als durch Windenergie besonders stark betroffene Vogelart eingestuft. Als Ursache wird fehlendes Ausweichverhalten gegenüber Windenergieanlagen und als Folge häufige Kollisionen mit den drehenden Rotorblättern enannt. Die Auswirkungen auf die Bestände seien kritisch, weil der Rotmilan zum einen nur ein auf wenige Länder begrenztes Verbreitungsgebiet verfügt, in denen zudem ein starker Ausbau der Windenergie stattfindet. Zum anderen seien die Bestände verhältnismässig gering und in Abnahme begriffen. Erschwerend käme das Fehlen ausgleichender Faktoren für die zusätzlichen Verluste hinzu, so dass die negativen Auswirkungen der Windenergie auf die Bestände erheblich seien.

Auswirkungen der

Auswirkungen der Windenergie auf den Rotmilan 4. Schlussfolgerungen Der Rotmilan wird im Zusammenhang mit Windenergie als stark betroffene Vogelart dargestellt und deshalb als windkraftsensibel eingestuft. Abgeleitet wird das erhöhte Tötungsrisiko für den Rotmilan durch Windenergieanlagen im Wesentlichen aus den Erhebungen des Landesumweltamtes Brandenburg, der zentralen Fundkartei für Anflugopfer an Windenergieanlagen. Aufgrund der geringen Zahl der Funde in der zentralen Fundkartei für Anflugopfer ist sie für sich alleine genommen nicht geeignet, ein erhöhtes Tötungsrisiko für den Rotmilan nachzuweisen. Sie gibt bestenfalls einen ersten Hinweis darauf, der einer Überprüfung bedarf. Ein grundlegender Widerspruch besteht in der Tatsache, dass ausgerechnet die als besonders windkraftsensibel eingestuften und ursprünglich stark bedrohten Vogelarten Rotmilan, Uhu, Seeadler, Schwarzstorch und Wanderfalke aus der bundesweiten Liste und Vorwarnliste bedrohter Vögel gestrichen wurden. Hintergrund sind anhaltende Bestandszuwächse und eine zunehmende Ausdehnung der Brutgebiete. Der Bestand des Rotmilans in Deutschland ist in den vergangenen 15 Jahren um 40 % angestiegen, parallel zum Bau von 26‘000 Windenergieanlagen. Das Kernbrutgebiet der Art hat sich drastisch von Nordosten ausgehend nach Süddeutschland und darüber hinaus in die Schweiz vergrössert. Die Zunahme des Bestandes und des Kernbrutareals in Deutschland kann nicht nur über eine Zählung der Brutpaare nachgewiesen werden, sondern auch durch die langjährige und in den letzten Jahren sogar explosionsartige Zunahme der Zahl ziehender Rotmilane an der inzwischen für die Art bedeutendsten Beobachtungsstation an der Schweizer Südwestgrenze. Die in den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt verzeichneten Bestandsrückgänge nach der deutschen Wiedervereinigung sind Folge des grossflächigen Verlusts und Intensivierung von Dauergrünland und Stilllegungsflächen und damit von geeigneten Flächen für die Nahrungsbeschaffung. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Feldvogelarten, die vom Umbruch in der Landwirtschaft stärker als andere Vogelgruppen betroffen sind, kann der Rotmilan sich dem damit einhergehenden stark negativen Bestandstrend nicht nur entziehen, sondern ihn sogar umkehren. Der Grund dafür sind zurückgehende Lebensrisiken und damit der Verluste, so dass der Rotmilan verlorene Lebensräume erfolgreich wiederbesiedeln kann. Verluste durch Windenergie für den Rotmilan belaufen sich auf eine Grössenordnung von unter 1 % der Gesamtverluste. Sie sind nicht nur gering im Vergleich zu anderen Todesursachen, sondern eine vernachlässigbare Grösse für die Bestandsentwicklung, weil – populationswirksame - Hauptursachen für Verluste rückläufig sind. Insbesondere die Stromnetzwende - der vogelfreundliche Umbau des Stromnetzes – führt zu einem starken und andauernden Rückgang unfallbedingter Verluste bei Greifvögeln und andere „windkraftsensiblen“ Vogelarten, der zusätzlich auftretende durch Windenergie bei weitem überwiegt. Im Falle der besonders gut dokumentierten Todesursachen des Weissstorchs beträgt das Verlustverhältnis Stromleitungen zu Windenergie ca. 100:1. Der ungewöhnlich hohe Anstieg der Zahl ziehender Rotmilane an der Schweizer Südwestgrenze und neueste Ergebnisse von Brutpaarzählungen in Deutschland weisen darauf hin, dass die Entschärfung gefährlicher Strommasten eine zunehmend hohe Wirkung entfaltet. 20

Auswirkungen der Windenergie auf den Rotmilan Der Rückgang der Funde von Rotmilanen unter Windenergieanlagen kann mit fortschreitender evolutionärer Anpassung erklärt werden. Eine zunehmende Perfektionierung des Ausweichverhaltens führt zu einer Verminderung des Kollisionsrisikos und damit dem Ausbleiben kumulativer Effekte trotz wachsendem Windenergieausbau. Die fehlende Meideverhalten und damit die Annäherung an Windenergieanlagen bis auf ungefährliche Distanzen ist von grossem Vorteil für die Bestände des Rotmilan, weil sein Lebensraum auch nach Errichtung von Windenergieanlagen ohne nennenswerte Einschränkungen erhalten bleibt. Aus diesen Gründen und nicht zuletzt wegen der Möglichkeit populationswirksamer Kompensations-massnahmen, wie z.B. einer Erhöhung des Nahrungsangebots durch geeignete Ausgleichsflächen mit dem Ziel der Steigerung des Bruterfolgs, ist der Rotmilan mit Windenergie kompatibel. Mindestabstände zwischen Windenergieanlagen und Rotmilanhorsten haben weder einen nennenswerten Einfluss auf die Bestände noch sind sie wegen der hohen Fluktuation von Brutplätzen sinnvoll. In aufeinanderfolgenden Jahren kommt es bei 75 % der Brutreviere zu einem Wechsel des Brutplatzes, der sich teils innerhalb des Brutwaldes vollziehen kann, sich teils aber auch auf andere Wälder über grössere Entfernungen hinweg ausdehnt. Insbesondere Mindestabstände von über 500 m stellen eine erhebliche Einschränkung für den Ausbau der Windenergie dar, ohne nennenswert zum Schutz des Rotmilans beizutragen. Der Spitzenplatz des Rotmilans in der zentralen Fundkartei der Vogelwarte Brandenburg ist nicht Folge einer hohen Kollisionsgefährdung. Er ergibt sich aus der Tatsache, dass von fast allen Vogelarten nur eine verschwindend geringe Zahl von Fundmeldungen vorliegt. Selbst von den drei häufigsten Vogelarten in Deutschland, deren jährliche Verluste zusammen 100 Millionen übersteigen, werden nur vereinzelt Funde unter Windenergieanlagen registriert, trotz langjährigem Beobachtungszeitraum und zahlreichen Umweltfolgeuntersuchungen, mit dem Ziel, Windkraftopfer zu finden. 21

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