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Technische Systeme zur Minderung von Vogelkollisionen an WEA

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Die Publikation der Fachagentur Wind gibt Überblick über aktuellen Entwicklungsstand und bestehende Herausforderungen.

Arten, die zum Zeitpunkt

Arten, die zum Zeitpunkt der Genehmigung nicht bekannt waren, nachträgliche einschränkende Auflagen oder (zeitweilige) Maßnahmen der Gefahrenabwehr zur Folge haben. Nach Berichten von Betreibern sei es noch nicht gelungen, von den Behörden eine „Freistellung“ zu erhalten, so dass die Ergebnisse keinen Einfluss auf den Weiterbetrieb hätten. Die artenschutzrechtlichen Bestimmungen sind in der Tat auch bei einer Erprobung im Bestand zu beachten. Allerdings kommt die Erteilung einer Ausnahme nach § 45 Abs. 7 BNatSchG in Betracht, wenn die Voraussetzungen hierfür im Einzelfall erfüllt sind. Box 4: Fragestellungen „Rahmenbedingungen der Erprobung“ • Wie können Erprobungen an Bestandsanlagen durchgeführt werden, so dass sie keine Nachteile für einen Betreiber, der seine WEA für eine Erprobung zur Verfügung stellt, zur Folge haben? • Wie können Erprobungen in Genehmigungsverfahren integriert werden, welche standortspezifischen Erprobungsanforderungen bzw. Nachweise sollten vor Antragstellung abgeklärt sein, welche können noch während der Antragstellung bearbeitet werden? 3.5.4 Nachweis der Wirksamkeit der bedarfsgesteuerten Vermeidungssysteme Der Nachweis der Wirksamkeit einer automatisierten und bedarfsgesteuerten Betriebsregulierung ist jeweils standort- und zielartbezogen zu erbringen. Die Wirksamkeit für die Zielart wird bei den meisten Systemen (außer GPS-Besenderung von Einzeltieren mit „Geofencing“) auf Individuen derselben Artengruppe übertragbar sein. Um eine abstrakte Aussage über die Wirksamkeit von technischen Systemen treffen zu können, sind Erprobungen für eine bestimmte Zielart möglichst in verschiedenen naturräumlichen Situationen durchzuführen. Wie viele Erprobungen bundesweit durchgeführt werden müssen, um zu repräsentativen Aussagen zu kommen, ist noch nicht festgelegt. Die Erprobung der Systeme und deren Ergebnisse sollten möglichst veröffentlicht werden. Zum Beispiel sollen sich die im Rahmen des NatForWINSENT-Projektes und die im Rahmen von Praxisanwendungen vom KNE betreuten Fälle ergänzen. Am Erprobungsstandort selbst hängt die Wirksamkeit von mehreren Faktoren ab: von zentraler Bedeutung ist die Abdeckung des Risikobereichs durch das Radar- oder Kamerasystem. Durch das Relief, Bauwerke und Bäume kann es zu Einschränkungen kommen. Befinden sich bereits WEA am Standort, können auch diese ein Sichthindernis darstellen. Über rauem Gelände oder oberhalb der Baumwipfel können bei Radarsystemen sog. „Clutter“ auftreten, in denen die Radarsignale durch Fehlechos gestört sind. Diese Bereiche können mehrere Meter betragen, in denen die Zielart nicht sicher detektiert werden kann. Die Abdeckung von Kamerasystemen kann durch starre Aufnahmewinkel, einen ungünstigen Sonnenstand oder schlechte Witterung eingeschränkt sein. Im Rahmen der Erprobung müssen jeweils Entscheidungen getroffen werden, ab wann an einem Standort die Detektionsgenauigkeit derart eingeschränkt ist, dass dies auch für die Wirksamkeit anzunehmen ist. Als Maßstab sind ggf. Unschärfen heranzuziehen, die auch bei einer Beobachtung von ausgewählten Standpunkten aus in Kauf genommen werden. 15

Es wird festzulegen sein, welche Unschärfen im Rahmen der Signifikanzbewertung tolerabel sind, denn auch durch den Einsatz der Systeme kann kein vollständiger Schutz vor Schlagopfern 7 erwartet werden. Für den Eignungsnachweis sind die im „Anforderungsprofil Erprobung“ (KNE 2019a) genannten Kriterien abzuprüfen. Hierzu gehören: • die Erfassungsreichweite, • die Erfassungsrate, • die Klassifizierungsgenauigkeit des Flugobjektes und • die „Rechtzeitigkeit“ der Reaktion (Vergrämung, Trudelbetrieb). Wie die einzelnen Kriterien zu ermitteln sind, ist im o. a. Anforderungsprofil beschrieben. Die Zuverlässigkeit der Detektion wird in der Erprobungsphase jeweils durch ein „Zweitsystem“, in der Regel Beobachter vor Ort, validiert. Im Falle einer Telemetrierung der Zielarten erfolgt die Validierung durch Abgleich mit den GPS-Daten des Senders und den vom System in Echtzeit gespeicherten Ortsbestimmungs- bzw. Ortsveränderungsdaten. Wichtig zu erwähnen ist, dass es für die Belastbarkeit der Erprobung darauf ankommt, eine ausreichend hohe Stichprobenzahl der Flugaktivität der Zielart am Standort zu erreichen. Bei einer Validierung durch einen oder mehrere Beobachter vor Ort sollten diese Laser Rangefinder (Laser-Ferngläser mit Entfernungs- und Winkelbestimmung) einsetzen, um die Tracking-Genauigkeit des Detektionssystems zu validieren. Bei einer Reichweite von max. 750 Metern können mehrere solcher Geräte erforderlich sein, um ebenfalls eine vollständige Abdeckung zu ermöglichen. Eine Mindest-Stichprobenzahl kann mit einer sog. „Power-Analyse“ statistisch ermittelt werden. Weitere Hinweise zur Validierung finden sich im „Anforderungsprofil“ (KNE 2019a). Die zum Thema Nachweis der Wirksamkeit zusammengetragenen Fragestellungen sind in Box 5 aufgeführt. 7 Die Klärung der Frage, ob eine Risikoerhöhung im Einzelfall als „signifikant“ anzusehen ist, setzt eine wertende Betrachtung voraus (BVerwG, Beschluss vom 8. März 2018 – 9 B 25/17, juris, Rn. 11). Hierbei sind artspezifische Verhaltensweisen, die häufige Frequentierung des durchschnittenen Raums und die Wirksamkeit vorgesehener Schutzmaßnahmen zur Abwendung von Verbotseintritten zu berücksichtigen (BVerwG, Urteil vom 14. Juli 2011 – 9 A 12/10, juris, Rn. 99; vgl. BVerwG, Beschluss vom 8. März 2018 – 9 B 25/17, Rn. 11, juris). Ein Nullrisiko ist dabei nicht zu fordern, weshalb auch Schutzmaßnahmen nicht mit nahezu 100 %-iger Sicherheit jegliche Kollisionen vermeiden müssen (vgl. BVerwG, Urteil vom 28. April 2016 – 9 A 9/15, juris, Rn. 141). Wenn die Signifikanzschwelle nicht überschritten wird und dennoch der unvermeidliche Verlust einzelner Exemplare eintritt, ist dementsprechend kein Verstoß gegen das Tötungsverbot gegeben (Bundestag Drucksache 18/11939, 12. April 2017, S. 17; so bereits BVerwG, Urteil vom 9. Juli 2008 – 9 A 14/07, juris, Rn. 91). 16

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