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Wer den Wind erntet - Zwölf gute Beispiele für kommunale Windprojekte

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FA Wind stellt in zwölf Kurzportraits kommunale Windenergieprojekte vor. Die dargestellten Fallbeispiele aus zehn Bundesländern stehen stellvertretend für die Herausforderungen und Chancen, denen verantwortliche Akteure in ihrem Planungsalltag begegnen. Es werden Maßnahmen und Ansätze aufgezeigt, wie sich Hürden im Planungsverfahren und Widerstände in der Bevölkerung zielorientiert lösen lassen. Erschienen: 27.01.2016

6 | Fachagentur

6 | Fachagentur Windenergie an Land | Wer den Wind erntet Breiter Schulterschluss für die Energiewende in Unterfranken bayern Der Standort des Bürgerwindparks (BWP) Sailershäuser Wald wurde nach vierjähriger Planungsphase als Vorbehaltsgebiet WK 63 in Haßberge der Planungsregion Main-Rhön ausgewiesen. Seit dem Spätherbst 2015 speisen hier zehn Windenergieanlagen (WEA) in das deutsche Stromnetz ein. Der größte BWP Unterfrankens ist ausschließlich auf öffentlichem Grund realisiert worden, neben der Stadt Königsberg und der Gemeinde Riedbach ist auch die Universität Würzburg München Verpächterin der Flächen. Bereits 2011 hatten sich der Landkreis Haßberge gemeinsam mit seinen 26 Kommunen für die Gründung einer kommunal getragenen „Energiewendegesellschaft“ (guT Haßberge mbH) zusammengefunden. Ende 2012 wurde eine landkreisweit tätige Bürger-Energiegenossenschaft (BEG Haßberge eG) gegründet. Umfangreiche Abstimmungen, moderiert Wertschöpfung bleibt in der Region Die Flächensituation in Sailershausen zeigt klare Verhältnisse: zwei Kommunen und die Universität Würzburg als Flächeneigen- durch die Projektentwicklerin GUT Haßberge mbH, waren erforderlich, bis eine Betreiber- tümer im Vorbehaltsgebiet erhalten Erlöse StandorT gesellschaft in der Rechtsform einer GmbH & Co. KG ihre Arbeit aufnehmen konnte. aus Pachten. Eine in anderen Fällen aufwendige Aushandlung von Verteilschlüsseln Stadt Haßfurt, Stadt Königsberg, gemeinde Riedbach, Landkreis Haßberge, Planungsregion Main-Rhön, Regierungsbezirk Unterfranken, Bayern Sensibler Umgang mit dem Naturhaushalt als Planungsmaxime Bei Nutzung aller Möglichkeiten zur Eingriffsminimierung konnten in dem großflächigen Waldgebiet naturschutzfachliche angrenzende Flächen bestimmt und aufgeforstet, sowie weitere ökologische Ausgleichsmaßnahmen durchgeführt. Flächige für Pachteinnahmen in einer heterogenen Raumsituation wurde nicht erforderlich. Da sich alle Anlagenstandorte auf öffentlichen Flächen befinden, kommen die Pachteinnahmen der Allgemeinheit zugute. Diese Wertschöpfung bleibt somit weitgehend in der Region, zudem gelangt vollumfänglich die akteure GUT Haßberge mbH, BWP Sailershäuser Wald GmbH & Co. KG, Landkreis Haßberge, BEG Haßberge eG, Städtische Betriebe Haßfurt, unter frän kische Überlandzentrale eG, Planet Energy, Gemeinden Gädheim, Maroldsweisach, Oberaurach, Riedbach, Sand a. Main, Theres, Wonfurt, Städte Eltmann, Hofheim und Zeil a. Main Bedenken im Planungsprozess ausgeräumt werden. Das Windenergievorhaben im Sailershäuser Wald ist freiwillig im förmlichen Genehmigungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung und Öffentlichkeitsbeteiligung durchgeführt worden. Für die erforderlichen Rodungen von Kranstell- und Wegeflächen wurden in gleichem Umfang Horstkartierungen hatten ergeben, dass keine signifikante Gefährdung von den WEA für geschützte Tierarten ausgeht. Als Nebenbestimmung wurde im Genehmigungsbescheid verfügt, die Anlagen im Sommer der ersten Betriebsjahre während der Nacht auszuschalten und ein begleitendes Fledermausmonitoring durchzuführen. Gewerbesteuer an die Kommunen, da die Betreibergesellschaft vor Ort angesiedelt ist. Drei Viertel des Eigenkapitals stammen von lokalen oder regionalen Bürgern, Kommunen und Energieversorgern. Beteiligungsprozesse in Planungs- und Bauphase Durch die linienförmige Anordnung der Windräder entlang eines Höhenrückens konnte ein landschaftsästhetisch günstiges PROJEKT Windparklayout umgesetzt und eine Umzingelung von Ortslagen ausgeschlossen wer- landkreisweites Gesamt konzept für den Windenergieausbau, Realisierung des BWP Sailershäuser Wald, 10 WEA des Typs Nordex N117-2.4, Gesamtnenn leistung: 24 MW, Netzeinspeisung vorauss. 11/2015 den. Die Visualisierung möglicher Auswirkungen auf das Landschaftsbild in Form von klassischen Fotomontagen ist elementarer Bestandteil der Informationsarbeit in der Projektentwicklung. Hier konnte die GUT Haßberge GmbH im konstruktiven Dialog mit der Bürgerschaft prägnante Standorte für Aufnahmen bestimmen und den Blick auf die aufgabe Natur- und Artenschutz, Landschaftsbild KontaktBOX GUT Haßberge mbH Gunter Häckner Telefon +49 9521 94 94 96 www.gut-hassberge.de „Eine Energiewende in Bayern erfordert zwingend den massiven Zubau von Windenergieanlagen. Unter den derzeitigen politischen Bedingungen gelingt dies vor Ort nur mit einem ganzheitlichen Ansatz, in breitem Schulterschluss von Bürgern und Kommunen und unter Einbeziehung kompetenter und engagierter Partner wie regionaler Stadtwerke oder Stromversorger.“ Gunter Häckner, GUT geplanten Windräder visualisieren. Mehrfach erwiesen sich Informationsabende für die Verbreitung grundlegender Informationen in weite Teile der Bürgerschaft als erfolgreich. Die Einbindung von windenergiekritischen Bevölkerungsteilen in den Planungs- und Beteiligungsprozess stellte sich als Herausforderung dar. Hier wird die Bedeutung von guter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für den differenzierten Umgang mit Konflikten erkannt. Der lokalen Berichterstattung in Haßberge konnte eine konfliktorientierte, um Ausgewogenheit und Sachlichkeit bemühte Position zugeschrieben werden. Bewährtes Instrument der Öffentlichkeitsbeteiligung im Planungsprozess ist die Bürgerversammlung. Die Projektwebsite, die bis über die Inbetriebnahme der Anlagen hinaus über das Projekt informiert, wurde ebenfalls gut angenommen. Über die Etablierung von Runden Planungstischen für zukünftige Vorhaben wird nachgedacht. Fotos: Haßberge Tourismus A. Hub Zeil a. Main und Burgruine Königsberg

7 | Fachagentur Windenergie an Land | Wer den Wind erntet Zonierungskonzept in der Frankenhöhe umgesetzt Foto: Naturenergie Zeilinger UG Das Projekt liegt in der hügeligen, waldreichen Landschaft des Naturparks Frankenhöhe in der NorA-Gemeinde Flachslanden. NorA ist eine kommunale Allianz von fünf Gemeinden, die sich 2004 im Rahmen des Flurbereinigungsverfahrens Ansbach-Nord für gemeinsame Projekte zusammengeschlossen haben. Über sechs Jahre bemühten sich die NorA-Gemeinden um die Realisierung eines Bürgerwindparks, scheiterten allerdings, da bei Einhaltung der Abstände zur Wohnbebauung nur Standorte im Landschaftsschutzgebiet (LSG) des Naturparks möglich gewesen wären, welche der damalige Regionalplan Westmittelfranken als Ausschlussflächen definierte. Durch den Windkrafterlass der Bayerischen Staatsregierung vom Dezember 2011 wurden Zonierungen der Naturparke im Hinblick auf eine verträgliche Nutzung bestimmter Flächen innerhalb des LSG für die Windenergienutzung möglich. Mit Unterstützung des Umweltministeriums und des Regierungsbezirks erstellte der Naturpark Frankenhöhe ein Zwei-Zonen-Konzept für sein Gebiet. Nach intensiver Prüfung hinsichtlich Schutz des Landschaftsbildes, Naturund Artenschutz sowie Kultur, Erholung und Tourismus öffnete das Konzept im Juli 2013 5,5 Prozent der LSG-Fläche. Weitere Prüfungen zu luftfahrtrechtlichen und militärischen Belangen (US-Hubschrauber Herausforderungen eines Waldstandorts gemeistert Die gesamte Windparkfläche im Birkenfelser Forst befindet sich im Eigentum der Bayerischen Staatsforsten (BaySF), was sich als größte Herausforderung für das Projekt herausstellen sollte. Der bereits endverhandelte Standortsicherungsvertrag durfte zunächst wegen der energiepolitischen Entwicklungen vor der Landtagswahl 2013 – insbesondere der 10H-Abstandsregelung – von den Staatsforsten nicht unterschrieben werden. Die Gemeinden sahen sich vor dem Scherbenhaufen ihrer Bemühungen, ließen sich allerdings nicht entmutigen. Gutachten und Voruntersuchungen waren in Auftrag gegeben, weswegen der kommunale Planungswille ungebrochen blieb und diverse Akteure mobil machten. Alle regionalen Abgeordneten im Landtag und im Bundestag unterstützen das Projekt, ebenfalls berichtete die regionale wie überregionale Presse und das Fernsehen über die Planungen. Größtes Argument war die interkommunale Zusammenarbeit, die transparente Planung und der Rückhalt in der Bevölkerung. Im März 2014 gelang es Kommunen und Projektentwicklern letztlich, den Standortsicherungsvertrag ab zuschließen. Die Position der Staatsforsten hatte sich zugunsten des NorA-Bürgerwindparks geändert. „Wir als Bürgermeister waren uns stets einig darüber, dass wir selber in unseren Gemeinden von den erneuer baren Energien profitieren wollen. Das fängt schon bei der Auswahl des Planungsbüros an und dem Sitz der Betreibergesellschaft an. Erneuerbare Energien sind eine Chance für den ländlichen Raum.“ Hans Henninger, Bürgermeister Das ortsansässige Planungsbüro stellte das Projekt am Beginn der Planung in jeder NorA-Gemeinde öffentlich vor und informierte später noch einmal über die Möglichkeiten der finanziellen Beteiligung. Zur besseren Abstimmung wurde ein gemeinsamer Ausschuss für erneuerbare Energie aller Gemeinderäte installiert. Regelmäßig erschienen Berichte über den Planungsfortgang in der Lokalpresse. Die Angebote zur finanziellen Teilhabe wurden von privaten Anlegern derart gut angenommen, dass binnen kürzester Zeit das nötige Eigenkapital gezeichnet wurde und sogar eine Eigenkapitalaufstockung vorgenommen werden konnte. Der ganz überwiegende Anteil der Zeichnungen entfiel auf kleine Summen von bis zu 20.000 EUR von Bürgern der NorA-Gemeinden. Es wurden in Katterbach), Schall- und Schattenwurf und Wirtschaftlichkeit ergaben eine Restfläche, die eine Errichtung von ursprünglich bis zu acht Anlagen erlaubte. Unter Rücksichtnahme auf Anwohnerinteressen, die einen Vorsorgeabstand von 800 Metern geboten, reduzierte man das Plangebiet erneut auf eine östlich von Birkenfels gelegene Teilfläche für vier zu errichtende WEA. Man erreichte entsprechend dieser Vorgaben eine sensible Standortplanung und das Windvorranggebiet WK 56 wurde vom Regionalen Planungsverband ausgewiesen. Im Juni 2014 wurde es von der Regierung von Mittelfranken für verbindlich erklärt. Projekt von Bürgerschaft und Amtsträgern gemeindeübergreifend unterstützt keine Investoren von außen und Stadtwerke zugelassen. Durch gute Medienarbeit, die Vernetzung mit politischen Akteuren auf Landes- und Bundesebene und langjährige sorgfältige Fachplanung konnten Vorbehalte gegen das Zonierungskonzept und Einwände im Rahmen des Genehmigungsverfahrens zerstreut werden. Nach intensiver Diskussion wurde auch das finanzielle Risiko sowie die zu erwartenden gewerbesteuereinnahmen anhand fundierter Sachargumente (v. a. Entfernung zu den Anlagen) einvernehmlich unter den Gemeinden verteilt. Nach den Kommunalwahlen 2014 setzten auch die neugewählten Bürgermeister – drei von fünf Bürgermeistern wechselten – den eingeschlagenen Kurs unbeirrt fort und führten das Projekt endgültig zum Erfolg. bayern München Standort Markt Flachslanden, Planungsregion Westmittelfranken, Regierungsbezirk Mittelfranken, Landkreis Ansbach, Bayern akteure Kommunale Allianz nördlicher Landkreis Ansbach (NorA), bestehend aus Markt Flachslanden, Markt Lehrberg, Oberdachstetten, Rügland und Weihenzell, NorA Bürgerwind GmbH & Co. KG, NorA Verwaltungs GmbH, Naturenergie Zeilinger UG, Windkraft Dornauer UG, Naturpark Frankenhöhe, Bayerische Staatsforsten PROJEKT aufgabe Flachslanden NorA BWP Birkenfels, 4 WEA des Typs Vensys VE 112 à 2,5 MW, Gesamtnennleistung: 10 MW, Zonierungskonzept Naturpark Frankenhöhe, Aufnahme des Vorranggebietes WK 56 in den Regionalplan, Inbetriebnahme vorauss. in 11/2015 Natur- und Artenschutz, Luftfahrtrecht, Landschaftsbild KontaktBOX Markt Flachslanden Bürgermeister Hans Henninger Telefon +49 9829 911 111 www.flachslanden.de NorA Bürgerwind GmbH & Co. KG Geschäftsführer Reinhold Zeilinger Telefon +49 9102 600

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